Florian hat an einer in Brüssel gelernt. Boris auch. Und Christian hat an der Europäischen Schule in München sein Abitur gemacht. Was die drei auch eint: Sie sind nach der Schule äußerst erfolgreich. Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck bekommt für seinen Kinofilm Das Leben der Anderen einen Oscar. Boris Johnson wird Bürgermeister von London und Christian Keysers mit nur 30 Jahren Professor für Hirnforschung.

Europäische Schulen haben einen guten Ruf; vierzehn gibt es in Europa, drei in Deutschland. Europaweit lernen dort 26.000 Schüler. Gegründet wurden die ersten gegen Ende der fünfziger Jahre, mit dem Ziel, vor allem die Kinder von EU-Beamten auch in ihrer Muttersprache zu unterrichten und sie zum Europäischen Abitur, dem European Baccalaureate, zu führen. Das berechtigt sie, in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu studieren.

In begrenzter Zahl nehmen einige Europäische Schulen auch Kinder auf, deren Eltern nicht bei der EU arbeiten. Diese Plätze sind hart umkämpft; allein die Schule in Frankfurt muss jedes Jahr Hunderte Bewerber abweisen. Das soll sich ändern. Im Jahr 2009 hat der Oberste Rat der Europäischen Schulen in Stockholm beschlossen, sein traditionelles Schulsystem zu öffnen und auch private Trägerschaften zuzulassen. Wenn ein privater Träger eine neue Europäische Schule gründen möchte, prüft der Rat den Antrag.

Der Beschluss, das System der Europäischen Schulen zu öffnen, führt auf eine matschige Großbaustelle in Bad Vilbel, nahe Frankfurt. Dutzende Arbeiter ziehen im Stadtteil Dortelweil im Eiltempo das erste Gebäude eines mehrteiligen Schulkomplexes hoch. 40.000 Quadratmeter umfasst das gesamte Gelände. Ende Januar war Richtfest, Mitte August, zum neuen Schuljahr, soll der Unterricht an der neuen Europäischen Schule RheinMain beginnen.

Es ist die erste vollständig privat finanzierte Neugründung einer Europäischen Schule. »Wir werden nicht von der Europäischen Kommission und den Mitgliedsstaaten subventioniert, wie es sonst der Fall ist«, sagt Tom Zijlstra. Der Niederländer und künftige Schulleiter hat als Direktor bereits die Sekundarstufe der Europäischen Schule in Frankfurt gegründet. Er ist 65 Jahre alt und voller Energie.

»Das ist für mich die Krönung nach zwanzig Jahren Arbeit an Europäischen Schulen«, sagt er. Es sei immer sein Wunsch und Ideal gewesen, so eine Schule für Kinder aller Familien zu öffnen. Wie viele feste Anmeldungen Zijlstra bereits hat, will er nicht sagen. Nur so viel: »Es läuft viel besser, als ich erwartet habe.« Jeden Tag spreche er mit zehn bis zwölf Elternpaaren. In Bad Vilbel – und besonders Dortelweil – wohnen viele Familien. Die Nähe zu Frankfurt macht die neue Europäische Schule auch für Eltern attraktiv, deren Kinder an der Frankfurter Nachbarschule keinen Platz bekommen haben.

Vor allem der Ruf einer guten Ausbildung zieht die Eltern an. In ihrer Informationsbroschüre wirbt die Europäische Schule RheinMain mit einer Studie des EU-Parlaments und schließt: »Die hohe Qualität unserer Ausbildung übertrifft das Pisa-Niveau führender Länder.« Wie erklärt Tom Zijlstra diesen Erfolg? »Dazu gehört zunächst einmal das Elternhaus«, sagt er. »Das sind Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder am Herzen liegt. Sie investieren nicht nur finanziell in diese Bildung, sie investieren vor allem auch Zeit und nehmen am Schulleben teil.«