Troy Carter taucht einfach nicht auf. Zu erreichen ist er nicht, und seine Assistentin hat auch keine Ahnung, wo er verloren gegangen sein könnte, hier auf der DLD-Konferenz von Burda, dem wichtigsten Treffen der Internetelite in Deutschland. Glücklicherweise gibt er gerade gut ausgeleuchtet ein Fernsehinterview im Nebenraum. In der Menschenmenge wäre er nicht so leicht zu finden gewesen. Troy Carter ist klein.

Sorry, sehr viel los, sagt er, strahlt einen an und folgt brav zum Pressezentrum. Schwer, ihm irgendwas übel zu nehmen. »Reichen 45 Minuten?«, fragt er. 60 wären besser. »Okay, 50«, sagt er, setzt sich im schwarzen Anzug auf sein angewinkeltes linkes Bein und macht es sich auf dem Sofa bequem. So wie andere mit Chips vorm Fernseher. Troy trägt eine große Brille, mit seinem Rucksack, auf dem in fetten Lettern » Lady Gaga « steht, könnte man ihn auch für einen Studenten halten.

»Sie schreibt alles selbst, wir haben nicht mal ihr Passwort«

Der Mann, das fällt sofort auf, ist so unauffällig, als sei er der Gegenentwurf zu seinem schrillen, lauten, bunten Star.

90 Millionen Dollar Umsatz soll sie im vergangenen Jahr eingespielt haben, schätzte Forbes, mindestens doppelt so viel wie jede andere Sängerin. Carter war es, der Stefani Germanotta zum aktuell größten Pop-Act der Welt gemacht hat, das sagen jedenfalls viele in der Szene.

Bei ihm klingt es eher so: Er hat einen Weltstar gefunden. »Ich glaube nicht, dass man jemanden zum Star machen kann«, sagt der 39-Jährige. »Einen Superstar erkennt man, wenn er den Raum betritt.«

Als Miss Germanotta vor fünf Jahren Carters Büro betrat, im Schlepptau seines Freunds Vince Herbert, bei dem sie gerade einen Plattenvertrag unterzeichnet hatte, da war sie schon durch und durch Gaga . »Sie trug eine große Sonnenbrille, sehr große Schuhe, Netzstrümpfe und keine Hose. So wie sie heute auch rumläuft.«

Wie er so erzählt von dem Moment, als es zwischen den beiden auf Anhieb »klick machte«, lässt sich schnell vergessen, dass er von dem exzentrischen Star spricht, der auch schon mal im Fleischlappenkostüm auftritt. »Ich bin von der Ostküste, sie ist von der Ostküste«, sagt Carter. »Sie ist ein sehr bodenständiger Mensch, und wir hatten sofort eine sehr interessante Unterhaltung.«

Bodenständig in Netzstrümpfen. Vielleicht liegt es an Troy Carter, der die beruhigende Aura eines heißen Lavendelbads hat. Vielleicht entspannt sich da auch eine Lady Gaga ganz schnell.

Noch viel wichtiger als der Gleichklang sei aber die Musik gewesen. »Mir war klar, das wird was Großes.« Die große Vermarktungsstrategie, die gab es aber nicht, sagt Carter, nur die Frage: Wie bringen wir ihre Musik nach draußen zu den Leuten? Die Radiostationen ließen sich nicht so schnell überzeugen, sie hielten Gagas Musik eher für clubtauglich.