Es war der 21. Januar, als ich in einem Gefängnis in Kairo saß und die Fernsehnachrichten sah. Ich hörte den ägyptischen General Tantawi sagen, dass Gefangene "begnadigt" werden sollen. Dann fiel auch mein Name. Ich empfand keine Freude. Ich glaubte erst an meine Freilassung, als ich drei Tage später die Gefängnismauern hinter mir ließ. Nach genau 302 Tagen Haft.

Das Verbrechen, das ich begangen haben soll, ist, meine Meinung zu äußern. Ich habe Texte verfasst, in denen ich die willkürlichen Verhaftungen und die Gewalt des Militärs gegen Demonstranten kritisierte. All das stellte ich in meinem Blog online, damit es die ganze Welt lesen kann.

Das, was ich tat, ist kein Vergehen – es ist ein entscheidender Bestandteil jeder Demokratie. Ich bin glücklich darüber, frei zu sein. Aber ich werde auch in Zukunft nicht schweigen. Ich akzeptiere meine Entlassung nicht als Begnadigung, denn ich habe nichts getan, wofür ich begnadigt werden müsste.

In den ersten Tagen nach meiner Freilassung wollte ich Zeit mit meiner Familie verbringen und mit meinen Freunden, die sich für mich eingesetzt haben und die ich so vermisst habe. Aber es war mir auch ein Bedürfnis, mich mit einem Video an all jene in der ganzen Welt zu wenden, die für mich gekämpft haben.

Es geht mir gesundheitlich gut, ich habe mein altes Gewicht wieder erreicht. 80 Tage lang war ich aus Protest gegen meine Verhaftung im Hungerstreik. Eine Zeitlang trank ich Milch und Säfte, 39 Tage lang nur Wasser, und zehn Tage lang habe ich jegliches Essen und Trinken verweigert. Schließlich habe ich den Hungerstreik Ende des vergangenen Jahres beendet. Zum einen habe ich viele Briefe aus der ganzen Welt bekommen. Ich bekam Post aus Ländern, von denen ich gar nicht wusste, dass man mich dort kennt. Ein Mann zum Beispiel schrieb mir aus Südkorea. Er bat mich, wieder zu essen und nicht mein Leben aufs Spiel zu setzen.

Außerdem wurde mir im Gefängnis klar, dass es bessere Wege als den Hungerstreik gibt, um meine Freiheit zu verteidigen. Ich erfuhr, dass sich die Situation in Ägypten verändert hat und dass ich auch Unterstützer im Parlament habe. Rund 50 Parlamentsmitglieder trugen zum Beispiel im Plenum einen gelben Schal, um für meine Freiheit zu demonstrieren und gegen die Militärtribunale, von denen Zehntausende Zivilisten verurteilt wurden.

Ich werde auch in Zukunft für meine politischen Ziele eintreten. Am Samstag, kurz nach dem ersten Jahrestag der ägyptischen Revolution, war ich zum ersten Mal wieder auf dem Tahrir-Platz und an anderen Orten der Stadt, um mit den anderen Aktivisten zu demonstrieren. Ich habe mir vorgenommen, mich in den nächsten Monaten zu engagieren, vor allem werde ich für das Verbot von Militärtribunalen eintreten und gegen den Paragrafen, der die freie Meinungsäußerung zu einem Vergehen macht. Gäbe es dieses Gesetz in Ägypten nicht, wären die anderen Blogger und ich nicht im Gefängnis gelandet. In den letzten Wochen erhob das Militär zudem noch einen weiteren Vorwurf gegen Blogger und Aktivisten: Beleidigung der Religion. Ayman Jussef Mansur zum Beispiel wurde Ende Oktober zu drei Jahren Haft verurteilt wegen seiner Facebook-Seite, auf der er laut Gericht angeblich "den Islam und Gott verunglimpft". Diese Paragrafen müssen aus dem Gesetzbuch verschwinden. Aber ich befürchte, je stärker die Islamisten im Parlament vertreten sein werden, desto schwieriger wird die Situation für uns Aktivisten werden.