Kunstvoll verknüpft Jochen Bittner (ZEIT Nr. 5/12) die beiden Gedanken, ob die Linken Verfassungsfeinde sein könnten, vielleicht sogar sind, und ob es deswegen angebracht sei, einen wesentlichen Teil ihrer Abgeordneten vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Aber die staatliche Sammlung öffentlich zugänglicher Quellen ist etwas anderes als der in jeder Zeitungsredaktion übliche Schnipseldienst, wie Bittner behauptet. Wenn der personell und finanziell hochgerüstete Große Bruder jede öffentliche Äußerung erfasst, ein Dossier anlegt und es im nachrichtendienstlichen Informationssystem Nadis einstellt, dann bestreitet selbst der "Dienst" nicht, dass das eine ernsthafte Beeinträchtigung des Abgeordneten ist. Nicht alle Verfassungsschutzämter halten sich daran, auf nachrichtendienstliche Mittel zu verzichten, und jeder, der mit einem solchen "kontaminierten" Abgeordneten zu tun hat, gerät selbst schnell in Verdacht.
Verfassungsschutz: Lasst die Linken in Ruhe
Abgeordnete stehen unter dem Schutz des Grundgesetzes – der Verfassungsschutz darf sie nicht behindern.