Das Café Flore auf dem Boulevard Saint-Germain in Paris: der Touristentreff. Eine viel angenehmere Verabredung als mit ihr kann es ja eigentlich nicht geben: die blonde Deutsche, unser Star in Hollywood. Geboren als Diane Heidkrüger in einem Dorf bei Hildesheim, dann Model, dann Schauspielerin, Durchbruch mit Wolfgang Petersens "Troja" (2004). Im Revolutionsdrama "Les Adieux à la Reine" wird sie als Marie Antoinette die diesjährige Berlinale eröffnen. Dass sie ein echter Star ist, merkt man auch daran, dass einem sonst kaum Filme mit ihr einfallen (Ausnahme: ihr Auftritt in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" ) und man sie trotzdem zu kennen glaubt. Sie gilt als bestangezogener Hollywoodstar, das muss man auch erst mal schaffen. Sie ist sicher voll nett und süß und amerikanisch professionell: diese Richtung. Vielleicht wird’s kein besonders tiefsinniges Gespräch mit ihr, aber hey, ist doch auch süß. Als sie ins Café hereingeschneit kommt, erkennt man sie erst nicht: brauner Lederhut, Wollpullover, Leggins, graues Pennerjackett mit zerschlissenem Innenfutter. Platz nehmen im ersten Stock des Cafés. Sie ist nicht modelartig sehr dünn, sondern nur Hollywoodstar-artig normal dünn. Wenn die alte These stimmt, dass man an den Händen einer Frau ablesen kann, wie der Körper aussieht, dann sieht sie schon ziemlich gut aus: süße Hände! Sie bekommt erklärt, dass sie einen Riesenhaufen Fragen gestellt bekommt. Sie lacht, weil Lachen immer okay ist. Okay.

1. Deutsch oder Englisch?

Deutsch.

2. Blond oder braun?

Definitiv blond.

3. Modeln oder schauspielen?

Schauspielen.  

4. Hollywood oder Babelsberg?

Oh, beides. Babelsberg ist ja auch was Schönes.

5. Und von wem sind diese wunderschönen Leggins, die Sie da tragen?

H&M.

Zehn Sekunden vergangen. Sie schießt die Antworten raus. Ihre kleine, dünne Stimme, kurze, weiße Zähne, schmaler Mund. Ihr Deutsch hat einen leicht französischen Akzent. Der alte Hut, dass Stars ihres Kalibers immer heller sind als erwartet. Sie kommt – schon jetzt – glasklar, präzise, aufgeräumt rüber. Gleich schämt sich der Interviewer, dass er nicht doch tiefsinnigere Fragen vorbereitet hat. Wir gehen nun in die härtesten Untiefen, den Schwachsinn, hinein.

6. Wie heißt Ihre beste deutsche Freundin?

Peti. In Berlin . Ich habe sie beim Drehen in Babelsberg kennengelernt. Man kann mit ihr ziemlich gut ausgehen. 

7. Wie heißt Ihre beste amerikanische Freundin?

Das ist ein Er. Micah. In Los Angeles.

8. Welches Wort fällt Ihnen auf Englisch schneller ein als auf Deutsch?

Fuck.

9. Warum ist es als Deutsche in Amerika schwer, die Worte "West Village" korrekt auszusprechen?

Es wird genau umgedreht ausgesprochen, das W ist im Amerikanischen ein V, das V ein W.

10. Bekommt man mit deutschem Akzent mehr Rollen in Hollywood?

Nicht unbedingt, nein. Generell reagieren Amerikaner auf Akzente sehr empfindlich. 

11. Ist Ihnen das wichtig, dass die in Hollywood nicht so ganz genau wissen, dass Sie Deutsche sind?

Ich möchte halt nicht auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Es wissen mittlerweile ja alle, dass ich aus Deutschland komme.

12. Echt wahr, dass es in New York kaum Männer zum Heiraten gibt, nur Schwule und um sie herum psychisch enorm angestrengte Moderedakteurinnen?

Meine New Yorker Erfahrungen stammen aus der Zeit, als ich dort gemodelt habe. Da waren viele Schwule, was auch seine Vorteile hat: Da fühlen sich die Mädchen sicher.

Sie beginnt jede Antwort, wirklich jede Antwort mit einem kleinen Lachen: Haha. Weil alles so lustig und so angenehm egal ist: Hahaha. Das Lachen hat offensichtlich auch eine Schutzfunktion. Wer lacht, muss ja nicht antworten – und ist trotzdem freundlich. Am Ende wird der Journalist viel freundliches Gelächter und weniger zitierfähige Sätze auf dem Aufnahmegerät haben. Hahaha.

13. Lebensprinzip Blond?

Nee. Gibt’s das? 

14. Lebensprinzip "dezentes Make-up"?

Nee. Es kann auch mal mehr sein.

15. Lebensprinzip Frau vom Lande?

Das sind zumindest die Grundbausteine meines Seins.