Arbeitsplätze in der Hightech-Branche wurden lange verklärt wie sonst nichts. Angestellte bei Google (Massagen! Wäschedienst!) oder Microsoft (Chauffeurservice!) schienen das Paradies der Werktätigen gefunden zu haben. Selbstständigen Programmierern half ein Kaffee bei Starbucks dabei, in frei gewählter Teilzeit neue Killer-Apps zu entwickeln. Doch das romantische Idyll verblasst. Der war for talents, der Kampf der Hightech-Riesen um die fähigsten Mitarbeiter, weicht einem Waffenstillstand zulasten der Belegschaft.

Es gibt dafür Indizien. So erwägt IBM angeblich eine Wende seiner Beschäftigungspolitik. Offiziell sagt der amerikanische Konzern mit großer deutscher Präsenz nichts, aber mehreren Berichten zufolge soll nach einem drastischen Stellenabbau die meiste Arbeit künftig von einem Heer freier Mitarbeiter rund um den Globus erledigt werden. Die Belegschaft von morgen bewirbt sich demnach per Internet um Software-Aufträge, einzelne Mitarbeiter könnten spezielle Weiterbildungsangebote bei IBM kaufen, um ihre Chancen bei folgenden Ausschreibungen zu verbessern.

In Reinform wird es das vielleicht nie geben, aber dieses Szenario zeigt, was möglich ist. Virtuelle Produkte wie Software können virtuell entwickelt werden, weil Fabriken, Verkaufsräume oder Lagerhallen dafür nicht benötigt werden. Es ist ja ganz angenehm, wenn Programmierer via Datenleitung von zu Hause aus arbeiten können. Aber natürlich können sich Unternehmen auch fragen, warum die Mitarbeiter dann nicht in Bangalore , Manila oder Lagos zu Hause sein können. Wenn Technologie hilft, Löhne zu drücken oder Sozialversicherungsbeiträge zu sparen, wird sie jemand auch zu diesem Zweck einsetzen. So gruselig das klingen mag.

Die gute Nachricht: Letztlich werden solche global rotierenden Minijobs die Ausnahme bleiben. Nur bei wenigen Tätigkeiten lässt sich völlig auf persönlichen Kontakt verzichten. Lernen kann man aus der Aufregung um IBM aber etwas ganz anderes – dass die vermeintlich moderne Hightech-Arbeitswelt in Wahrheit ziemlich altmodisch ist. Ein Job am Laptop ist einem am Fließband sehr ähnlich.

Wettbewerb am Arbeitsmarkt mögen auch Hightech-Konzerne nur in sehr begrenztem Umfang. Geht er gar zu ihren Lasten, wollen sie ihn am liebsten abschaffen, wie ein aktueller Gerichtsprozess in San José illustriert. Darin wird Google , Apple , Intel, Adobe und anderen Arbeitgebern im Silicon Valley ein langjähriges und ungesetzliches Gentleman’s Agreement vorgeworfen: Man werbe sich gegenseitig keine Mitarbeiter ab und lasse Wechselwillige abblitzen.

Der Anwalt eines Klägers schätzt, dass die Unternehmen dadurch bis zu 15 Prozent an Lohnkosten gespart hätten. So gesehen, wirken kostenlose Büromassagen gar nicht mehr wie ein großzügiges Verwöhnprogramm. Sondern ziemlich mickrig.