Großbritannien

In Großbritannien hat ein Politikveteran die Führung unter den Klimaskeptikern übernommen. Nigel Lawson , ein Lord im Oberhaus, ist seit mehr als vierzig Jahren im politischen Geschäft und gründete 2009 die Global Warming Policy Foundation (GWPF). Der Thinktank hat sich zum Ziel gesetzt, politische Strategien infrage zu stellen, "die von dem Beitrag der Menschheit an der Klimaerwärmung ausgehen und versuchen, sie zu mindern".

Heute ist die GWPF die wichtigste Plattform der Klimaskeptiker. Und nicht nur der Autor Andrew Montford, der 2010 mit seinem Buch The Hockey Stick Illusion für Furore sorgte, fühlt sich unter Lawsons Schirmherrschaft "endlich politisch vertreten". Zwar gibt es in kaum einem anderen europäischen Land so viele klimaskeptische Journalisten wie in Großbritannien, doch stehen sie einer schier übermächtigen politischen Koalition gegenüber. Bei keinem anderen Thema ist die Politik so parteiübergreifend einig, wie beim Klimawandel.

Aber die britische Regierung hat ein Problem, das für sie dringender ist: den Staatsbankrott. Ambitionierte Klimaziele fallen der Haushaltssanierung zum Opfer. So wurden die Subventionen für Solaranlagen auf Eigenheimen gestrichen und die sogenannte "grüne Investmentbank", die in klimafreundliche Projekte investieren soll, bekommt nur noch eine Milliarde Pfund Startkapital, halb so viel wie geplant.

Für Nigel Lawson , der unter Margaret Thatcher selbst Schatzkanzler war, sind das richtige Entscheidungen. Er hält den Umbau zur CO₂-armen Wirtschaft für "verfehlt und ruinös". Der linksliberale Journalist George Monbiot warnt hingegen, auf die eigene Klimapolitik mit der Axt loszugehen sei das falsche politische Signal. "Am Ende gewinnt Lord Lawson, und dann verlieren wir alle."

John F. Jungclaussen

Australien

In Australien sprechen Klimaskeptiker mit lauter Stimme. Sie haben sogar eine eigene Partei, die No Carbon Tax Climate Sceptics Party . Sie hat zwar den Einzug ins Parlament nicht geschafft, aber auch die Mainstream-Politiker haben sich auf dem mit riesigen Rohstoffvorkommen gesegneten Kontinent sehr lange gesträubt, irgendetwas gegen die Erderwärmung zu unternehmen. So hatte sich Australien als einziges Industrieland neben den USA bis 2007 geweigert, das Kyoto-Protokoll überhaupt zu ratifizieren. Erst vergangenes Jahr gelang es der Labor-Regierung, gegen erbitterten Widerstand ein Emissionshandelssystem zu verabschieden, das in diesem Sommer in Kraft tritt.

Waschechte Australier, nicht nur die im Bergbau tätigen, beschimpfen Klimaschützer als "Untergangspropheten" oder "Treibhaushysteriker". Und sie finden in der konservativen Presselandschaft ein dankbares Forum. Speziell die zu Rupert Murdochs Imperium zählenden Publikationen und Sender torpedieren die These des von Menschen gemachten Treibhauseffekts. Allen voran die Tageszeitung The Australian: Nach einer Analyse von Robert Manne , einem führenden australischen Intellektuellen, waren darin 700 von 880 Artikeln zum Klimawandel zwischen 2004 und 2011 tendenziös.

Australien leidet unter extremen Naturkatastrophen und steigenden Temperaturen. Dennoch schimpft selbst der pensionierte Chefklimatologe des australischen Wetterdienstes, William Kininmonth, zusammen mit anderen Forschern im US-Wirtschaftsblatt Wall Street Journal , der Konsens über die Erderwärmung sei in Wahrheit reiner "Alarmismus".

Verstärkung bekommen die Skeptiker von der reichsten Frau im Land, Gina Rinehart, einer Eisenerz-Magnatin. Die Multimilliardärin hat sich vor ein paar Tagen als größte Anteilseignerin in den schwächelnden Großverlag Fairfax, Herausgeber des Sydney Morning Herald , eingekauft. Rinehart war maßgeblich an einer Propagandakampagne der Rohstoffindustrie gegen eine CO₂-Steuer beteiligt. Nun fürchten Beobachter, Rinehart, auch Iron Lady genannt, werde ihre Macht als Eignerin nutzen, um die Berichterstattung über den Klimawandel in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Vera Sprothen