1. Das Parlament in Athen hat dem von den Europäern geforderten Sparprogramm zugestimmt. Ist Griechenland jetzt gerettet?

Zumindest bekommt das Land wohl noch einmal frisches Geld: Auf dem Treffen der Finanzminister am Montag soll das neue Rettungspakt für Griechenland beschlossen werden. Bis dahin könnten "alle notwendigen Entscheidungen" für die Finanzhilfe in Höhe von mindestens 130 Milliarden Euro getroffen werden, sagte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker nach Beratungen mit den Euro-Finanzministern.

Das ist aber noch nicht alles. Zusätzlich sollen die privaten Gläubiger des Landes – also Banken, Versicherungen, Fonds und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen – auf Forderungen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro verzichten. Und die Europäische Zentralbank (EZB) , die ebenfalls griechische Staatsanleihen gekauft hat, legt wohl noch einmal 10 bis 15 Milliarden Euro drauf. Die Hilfen sollen Griechenland in die Lage versetzen, alle seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen und zugleich den Schuldenstand bis zum Jahr 2020 von derzeit 160 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken.

Wenn dieses Niveau erreicht ist, so erhoffen es sich die Geldgeber, kann das Land seine Schulden wieder im Alleingang tragen. Die Regierung in Athen wäre also nicht mehr auf Finanzhilfen angewiesen, weil sie sich an den Kapitalmärkten zu annehmbaren Zinsen Geld borgen könnte. Die Hilfskredite müssten dann nach und nach zurückbezahlt werden.

2. Klingt gut, aber wird der Plan auch aufgehen? Bislang dauert die Krise trotz der Rettungsgelder an.

Ob die Rettung gelingt, ist in der Tat fraglich . Zunächst einmal müssen sich genug Gläubiger an dem Forderungsverzicht beteiligen und die Parlamente die Milliardenhilfen absegnen. In Deutschland wird sich der Bundestag am 27. Februar mit dem neuen Rettungspaket befassen. Und dann kommt es darauf an, dass die beschlossenen Maßnahmen von den griechischen Behörden auch umgesetzt werden – das war bis jetzt häufig nicht der Fall.

Aber selbst wenn das Geld fließt, bleibt noch viel zu tun. Die griechische Misere hat im Prinzip zwei Ursachen: Erstens hat der Staat über seine Verhältnisse gelebt und zu viele Schulden gemacht , und zweitens sind die Unternehmen im Ausland nicht konkurrenzfähig. Die Experten der EU fahren deshalb zweigleisig: Sie verordnen dem Staat einen harten Sparkurs und der Wirtschaft Reformen. Die Einsparungen sollen das Haushaltsdefizit reduzieren und die Reformen die Wettbewerbskraft der Firmen verbessern. So erhofft man sich von den geplanten Lohnkürzungen, dass die Produkte der griechischen Firmen im Ausland billiger werden und damit der Export des Landes floriert.

Das Problem dabei: Es ist für ein Land außerordentlich mühsam, wieder wettbewerbsfähig zu werden. Selbst Deutschland brauchte fast zehn Jahre, um die Exzesse zu bereinigen, die sich im Wiedervereinigungsboom aufgebaut hatten. Und obwohl die Anpassungslasten damals in Deutschland geringer waren als heute in Griechenland und die deutsche Wirtschaft anders als die griechische über einen gesunden industriellen Kern und ein funktionierendes Bankenwesen für die Kreditversorgung der Wirtschaft verfügte, waren die Reformen für die hiesige Gesellschaft eine Herausforderung.

Dazu kommt: Die damalige Bundesregierung federte ihre Reformen mit höheren Schulden ab. Lohnkürzungen bremsen zunächst einmal den Konsum. Sie wirken erst langfristig positiv. Deshalb ist es hilfreich, wenn der Staat vorübergehend mehr Geld ausgibt und damit die Konjunktur stützt. Den Griechen hat man solche Stützungsmaßnahmen jedoch verboten. Sie müssen eisern sparen und zugleich reformieren. Kein Wunder, dass die Wirtschaft nun schon seit vier Jahren in der Rezession steckt – und allein im vierten Quartal 2011 um knapp sieben Prozent geschrumpft ist. Je länger das so weitergeht, desto schwerer wird es für die Griechen, ihre Schulden in den Griff zu bekommen, weil die Steuereinnahmen wegbrechen. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass auch das neue Hilfsprogramm nicht ausreicht und Athen noch mehr Geld braucht.