Einmal, ganz am Anfang ihrer Modelkarriere, wurde Heidi Klum für Hochzeitsmode-Aufnahmen in Las Vegas gebucht. "Da habe ich also einen jungen Herrn ein Dutzend Mal geheiratet", sagt sie, "und ich musste jedes Mal aufs Neue überglücklich sein. Aber ich habe dem Fotografen nicht gefallen." Warum nicht? "Er hat sich aufgeregt über mein Lachen, es sei zu künstlich. Er wurde richtig ungehalten. Davon wurde es natürlich nicht besser."

Als die Aufnahmen beendet waren, ist Heidi Klum nach Hause gefahren und hat alleine vor dem Spiegel geübt, so lange, bis sie das perfekte Lachen draufhatte. "Es gibt ja viele Leute, die beim Lachen die Zähne zusammenbeißen, das sieht nicht gut aus. Und es ist ja auch nicht wie bei einem Pferd, nach dem Motto: Zeig deine Zähne." Nein, fügt sie hinzu, "das perfekte Lachen strahlt über das ganze Gesicht, dann wirkt es authentisch." Dieses Lachen, das sie damals vor dem Spiegel erfunden hat, ist praktisch, weil sie es jederzeit in der Öffentlichkeit einsetzen kann, wenn sie es braucht, auch an anstrengenden Tagen wie diesen – nach der im Januar öffentlich gewordenen Trennung von ihrem Ehemann, dem Sänger Seal .

Downtown Los Angeles , im Dezember, noch ist von der Trennung nichts bekannt. Heidi Klum sitzt in einem gemieteten Van, der vor dem John Ferraro Building geparkt ist. Sie macht heute Aufnahmen für das ZEITmagazin mit dem amerikanischen Fotografen Todd Cole . Er ist für seine besondere Art bekannt, Mode zu inszenieren, auf der Straße, mit natürlichem Licht, wie ein Reportagefotograf.

Pünktlich um 8 Uhr morgens ist Heidi Klum am Set aufgetaucht, "Hallo, ich bin Heidi", hat sie jeden einzeln begrüßt. Die Stimme weicher als im Fernsehen, ein sanfter Händedruck, ein Lächeln. Es ist ein Auftritt ganz ohne Getöse. Hier kommt kein Star, der umjubelt werden will, hier kommt ein Model, das arbeiten will. Sie ist ungeschminkt, trägt die Haare offen. Die Natürlichkeit steht ihr gut. Und sie ist ganz in Grau gekleidet, Pulli, Hose, Schuhe: grau. Auch der Mantel: grau.

Die Arbeit kann beginnen, Haare, Make-up, Maniküre, verschiedene Röcke, Blusen, Anzüge anprobieren. Die ersten Fotos werden auf der Straße gemacht, dann geht sie zurück in den Van.

Zwanzig Jahre ist es her, dass sie entdeckt wurde, in einem Modelwettbewerb von Thomas Gottschalk und der Zeitschrift Petra , die Heidi Klum damals so beschrieb: "Entspannt ruht sie auf dem Kissen ihres Kinderzimmerbetts, rechts und links Stofftiere, Puppen, im Nebenzimmer wartet der Freund (Marcel, ein Barkeeper). Perfektes Glück? Ja." Heidi Klum lacht ihr perfektes Lachen, als sie darauf angesprochen wird. "Das ist so lange her. Manchmal, wenn ich mich an diese Zeit erinnere, frage ich mich, bin ich das überhaupt gewesen?"

Heute hat sie gleich zwei erfolgreiche Fernsehshows, Project Runway in Amerika , Germany’s Next Topmodel in Deutschland, dazu kommen ihre Werbeverträge. 96 Prozent aller Deutschen kennen sie, das Magazin Time zählt sie zu den "100 einflussreichsten Menschen der Welt". Laut Vogue sind ihre Beine für 1,6 Millionen Euro versichert, laut Forbes hat sie zuletzt knapp 20 Millionen Dollar Jahresumsatz gemacht. "Dabei habe ich am Anfang immer gedacht, für mich ist kein Platz in diesem Geschäft", sagt sie. "Ich habe keine Jobs bekommen. Ich war einfach zu normal und zu fraulich. Damals gab es den Heroin-Chic, die extrem dünnen Mädchen. Mein Gesicht, mein Körper sind ganz anders." 

Nachdem sie 1992 den Modelwettbewerb gewonnen hatte, ging sie nach Paris und nach Mailand – und wurde überall abgelehnt. "Es hieß: Du musst dich verändern, die Haare abschneiden, du brauchst einen cooleren Look, runter mit dem Gewicht." Dem amerikanischen Fernsehsender CBS hat sie einmal erzählt, dass die Tipps auch konkreter wurden, es ging um Pillen: "Sie sagten: Warum tust du das nicht in deinen Drink, vielleicht bist du dann nicht mehr so hungrig." Sie hat diesem Druck nicht nachgegeben, "ich wollte meine Gesundheit nicht opfern. Ich dachte, entweder die Leute mögen mich, oder ich muss mir einen anderen Job suchen."