Wenn von einem Allzeit-Hoch die Rede ist, dann bedeutet das für die deutschen Autofahrer meist nichts Gutes. Das Hoch, das sie in Rage bringt, herrscht nämlich an der Zapfsäule. Und dort sind Benzin und Super inzwischen tatsächlich so teuer wie nie zuvor. Zwar müssen für Rohöl noch nicht ganz so viele Dollar ausgegeben werden wie im Sommer 2008. Aber wegen des niedrigen Euro-Kurses kostet die für Europa wichtigste Erdölsorte Brent die Verarbeiter und die Verbraucher wieder fast so viel wie vor dreieinhalb Jahren.

Deutschland ist auf iranisches Öl zwar nicht angewiesen. Der hohe Ölpreis, unter dem die Verbraucher leiden, ist jedoch auch Folge des Konflikts, der sich zwischen der Europäischen Union und dem Iran immer mehr zuspitzt.

Vor einem Monat hatten die EU-Außenminister beschlossen, vom Sommer an kein Öl mehr aus dem Iran zu beziehen ; das Regime in Teheran wollten die Europäer auf diese Weise dazu bewegen, von seinem tatsächlichen oder vermeintlichen Atomwaffenprogramm zu lassen. Jetzt beantwortet der Iran die Drohung mit dem Stopp der Erdölexporte , zunächst nach Frankreich und Großbritannien . Die beiden Länder sitzen deswegen nicht auf dem Trockenen, iranisches Öl spielt für sie keine große Rolle. Trotzdem zeigt der Vorgang, wie prekär Europas Lage bei der Beschaffung des dringend benötigten Ölnachschubs ist: Während sowohl die norwegische als auch die britische Ölförderung sinkt, ist der Iran nicht nur einer der größten Ölexporteure der Welt, sondern verfügt obendrein noch über immense Mengen des weltweit wichtigsten Brennstoffs.

Zu Versorgungsengpässen ist es bisher nicht gekommen. Dass Erdöl trotzdem bereits teurer geworden ist, liegt nicht zuletzt an der Nervosität, die Europa und der Iran in den Markt getragen haben. Analysten schätzen den Preisaufschlag auf rund zwanzig Dollar. Das entspricht in etwa dem Betrag, den der Internationale Währungsfonds für den Fall nennt, dass Irans Ölexporte in die westlichen Länder tatsächlich ausbleiben – und andere Lieferanten nicht schnell und ausreichend genug in die Bresche springen.

Sollte das nicht mehr nach Europa exportierte iranische Öl mit Rabatt in China oder Indien abgesetzt werden können, würde der Schaden für Europa begrenzt bleiben, weil der Weltmarktpreis für den Brennstoff nicht stark steigen würde. Allerdings würde dann auch der Iran nicht leiden. Mit schmerzhaften Einnahmeeinbußen müsste Teheran nur rechnen, erklärten sich China & Co mit den Europäern solidarisch und fielen deshalb als Kunden ebenfalls aus. In diesem Fall wäre der Schaden allerdings auch für die Europäer maximal, weil dem Weltmarkt schlicht die gesamten iranischen Exportmengen fehlten. Der Ölpreis würde wohl regelrecht in die Höhe schießen.

Weg vom Öl? Das ist oft leicht dahingesagt worden. Doch so gern die Parole in den vergangenen Jahren von Politikern jedweder Couleur in den Mund genommen wurde, so folgenlos ist sie bisher geblieben.

Biosprit? Den aus Roggen oder Raps gewonnenen Saft können moderne Automotoren nur begrenzt verdauen; obendrein sorgen diese Biokraftstoffe der ersten Generation für erhebliche Umweltschäden , womöglich für noch gravierendere als die, die der Ölkonsum verursacht.