Wäre Catherine von Fürstenberg-Dussmann Teil eines Bildes, bei dem man den Fehler finden muss, würde man sie selbst in jeder Situation mit einem dicken Stift einkreisen. Wenn sie zu Beispiel bei der Jahrespressekonferenz im knallroten Kleid auftritt und ausgiebig den Arm von Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Clement streichelt, bevor sie spricht. Oder wenn sie bei der Einweihung eines Kindergartens erst einmal von den vielen, vielen, großen, großen Waffen erzählt, die man kurz zuvor im Vorgarten gefunden habe. Catherine von Fürstenberg-Dussmann, das "Girlie-Girl", wie sie sich selbst nennt, wirkt eher wie eine Alleinunterhalterin denn als eine Unternehmenschefin. Aber ihre Firma, ein Milliardenkonzern, schreibt die besten Zahlen seit der Gründung.

Die Nachfahrin eines deutschen Adeligen, der 1847 in die USA auswanderte, wurde im US-Bundesstaat Missouri geboren. Deutsch lernte sie an der Universität, doch die "miesen Noten" vermasselten ihr einen Abschluss mit Auszeichnung. Noch heute mixt die 60-Jährige Deutsch und Englisch. Auf Wunsch ihres Vaters studierte sie Englische Literatur und Psychologie, bevor sie sich ihren Traum erfüllte und Schauspielerin wurde. Nach der Ausbildung in London schlug sie sich mit Aufträgen in Los Angeles durch. Meistens waren es komische Rollen, in denen Fürstenberg-Dussmann den Clown spielen musste.

Als sie 1980 Peter Dussmann in einem Pub kennenlernte, wollte sie eigentlich nur ihren damaligen Freund eifersüchtig machen. Doch der "kleine, durchsetzungsstarke" Mann aus Deutschland beeindruckte sie. Als sie kurze Zeit später mit einer Kollegin im Taxi neue Projekte in den USA besprach, unterbrach er sie: "Wie? Du kommst nicht mit mir nach Deutschland und heiratest mich?"

"Ich will, dass jeder mich mag", sagt die Unternehmerin und lacht

Es kam, wie es nach dieser hollywoodreifen Geschichte kommen musste: Catherine von Fürstenberg folgte Dussmann nach Deutschland und wurde Hausfrau. "Mein Mann hat immer gesagt, er hätte mich geheiratet, weil ich so gut kochen könne", sagt sie. Ihr Leben drehte sich um Rezepte und ums Gassigehen mit dem Hund, ein Gattinnenleben. Im Jahr 2008 änderte sich das über Nacht. Peter Dussmann erlitt einen Schlaganfall und konnte nicht mehr arbeiten. Catherine von Fürstenberg-Dussmann reiste von ihrem Wohnsitz in Süddeutschland nach Berlin in die Firmenzentrale. "Am Anfang dachte ich, dass es sich um ein paar Meetings im Jahr handelt, die ich absolvieren muss." Aus ein paar Meetings wurde ein Vollzeitjob. Heute ist sie Chefin eines Konzerns mit 57.000 Mitarbeitern in 24 Ländern .

Peter Dussmann führte die Firma wie ein General und duldete keine Widerworte. Er soll ein Sparschwein gehabt haben, in das Mitarbeiter, die zu viel "schwafelten", Geld einwerfen mussten. Seine Frau zeigt sich gern als Gegenentwurf. "Ich will, dass jeder mich mag", sagt sie, "mindestens aber respektiert." Seit sie die Firma leite, gebe es mehr Brainstormings an Runden Tischen. "Jeder soll Spaß haben. Mit ein bisschen Lockerheit macht alles viel mehr, na ja, Spaß eben." Sie lacht. Catherine von Fürstenberg-Dussmann kann gleichzeitig sprechen und lachen. Wäre sie noch immer eine Schauspielerin und das Unternehmen ihre Bühne, stünde im Briefing des Regisseurs: "Lache bitte so oft wie möglich, sei charmant, entwaffnend, interessiert und offen."

Ein Mann, der jahrelang an ihrer Seite gearbeitet hat, spricht davon, dass Catherine von Fürstenberg-Dussmann tatsächlich gut schauspielere. "Sie beherrscht jedes Rollenfach perfekt. Seit drei Jahren spielt sie Unternehmerin, obwohl sie keine Ahnung davon hat." Aber dahinter stecke etwas anderes. "Ihr geht es im Konzern einzig und allein um Macht."