So ähnlich begannen in den achtziger Jahren amerikanische Teenagerkomödien, die ja im besten Fall große Coming-of-Age-Dramen waren: Ein Junge setzt sich in ein verdammt teures Auto, es gehört dem Vater des Jungen, vielleicht auch dem Vater des Freundes oder des Mädchens, in das der Junge verliebt ist. Der anfängliche Respekt des Jungen weicht langsam einem etwas dümmlichen Grinsen. »Ich sitze in einem Maserati . Ich. In einem Maserati. Hihi.« Und so, wie ein Junge das erste Mal mit einem Mädchen fummelt, befummelt er das Auto: das Lenkrad, die Armaturen, den Sitz. Er streichelt sanft die Mittelkonsole und schließt die Augen.

Als ich die Augen wieder öffnete, drehte ich die Zündschlüssel herum, denn schließlich bin ich kein Junge mehr, sondern ein Mann, ein Mann, der seit 18 Jahren unfallfrei auf deutschen Straßen unterwegs ist, ein Mann, der Angst nicht kennt. Bis ich dieses Geräusch hörte, das Röhren des Maserati, das ich früher krass gefunden hätte und heute ein bisschen asozial finde. Ich setzte mir meine Sonnenbrille auf, im Radio des Maserati lief der Hit von Deichkind Leider geil . Der Maserati – so viel stellte ich bereits nach wenigen Metern fest – ist kein Stadtauto. Er ist für Fahrten durch Tempo-30-Zonen nicht geeignet. Auf schmalen Straßen fühlt er sich wie ein eingesperrtes Raubtier. An roten Ampeln wirkt er hilflos. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Auto von mir verlangte, ich solle ruhig mal die Straßenverkehrsordnung vergessen. Ich verstand: Das Auto und ich, wir mussten raus aus der Stadt, raus aus Berlin . Aufs Land. Auf die Autobahn.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Es lag an mir, dass es nicht dazu kam. Ich fuhr in Richtung Autobahn und stellte fest, dass die Auffahrt gesperrt war, also hielt ich mich an die Umleitung. Der Autobahnabschnitt, auf dem ich dann landete, war aber eine einzige Baustelle, ein Ausfahren des Wagens war nicht möglich, ich juckelte mit 60 Kilometern pro Stunde dahin und nahm die nächste Abfahrt nach Hause.

Am anderen Tag wollte ich das Verdeck öffnen, da begann es zu schneien, also fuhr ich einfach so durch den Stadtverkehr und fühlte mich dabei wie ein Junge, der bei dem Mädchen, das er begehrt, nicht zum Zuge kommt. Nach einer Woche trennten wir uns. »Und? Wie war’s?«, fragten mich die Kollegen. »Das Auto ist toll«, sagte ich, »aber wir passen einfach nicht zusammen.«

Technische Daten

Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 331 kW (450 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 285 km/h
CO2-Emission: 337 g/km
Durchschnittsverbrauch: 14,5 Liter
Basispreis: 138.720 Euro

Matthias Kalle ist stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins