Von der DDR ausgehend, schlägt Gauck in seinem Text den Bogen zu dem "Übermaß an Schuld", das die deutsche Nation zwischen 1933 und 1945 auf sich geladen hat. Er ruft die lange Zeit des Verdrängens ins Gedächtnis und die erst spät einsetzende selbstkritische Konfrontation mit der eigenen Schuld. "Uneingestandene und unausgesprochene Schuld bindet Individuen wie Gruppen an die alte Zeit, macht befangen, mutlos und erpressbar. Wahrheit befreit." Ausdrücklich wendet er sich gegen eine einebnende Europäisierung des Gedenkens an den Holocaust.