Maurice André, der jetzt im Alter von 78 Jahren gestorben ist , war gefeierter Star auf einem Instrument, das im Allgemeinen nur im Jazz für Legenden taugt. Er aber fütterte die Trompete mit barocken Noten, und man kann wohl sagen, dass für den Popularitätsschub Alter Musik in den siebziger Jahren wenige so viel wie er getan haben.

Berühmt wurden seine Konzerte und Aufnahmen mit der gleichaltrigen Hedwig Bilgram an der Orgel, eine Kombination, die damals neu und aufregend war und mühelos intime Mondscheinstimmung in die größten Kirchenschiffe zauberte durch die unvergleichlich zarte Art, mit der André das Militärinstrument behandeln konnte.

In den Händen des großen, schweren Mannes, als Sohn eines Bergmanns geboren und selbst eine Zeit lang als solcher unter Tage tätig, schien die Trompete fast zu verschwinden, und erst recht die Piccolotrompete, die er für die Interpretation barocker Stücke gerne verwendete. Unvergesslich die schmerzliche Süße, die er dem Adagio eines seinerzeit populären Trompetenkonzerts in D-Dur von Telemann gab, sodass den frischverliebtesten Zuhörern eine Ahnung unabweislich kommenden Kummers die Wangen netzte.

Er war ein großer Künstler. Gern führte er auch schwierige zeitgenössische Musik auf, denn Musik war ihm immer zeitgenössisch, gleich, ob sie heute oder vor Jahrhunderten geschrieben worden war.