DIE ZEIT: Herr Kober, wann haben Sie zum letzten Mal gebetet?

Pascal Kober: Heute Nacht. Ich bete jeden Tag.

ZEIT: Haben Sie Dankesworte eingeschlossen, weil jetzt ein Kandidat der FDP ins Bundespräsidialamt einzieht, noch dazu ein evangelischer Pfarrer wie Sie selbst?

Kober: Ich bete nie für konkrete politische Entscheidungen oder für die Ziele der FDP. Ich habe nicht einmal dafür gebetet, dass ich selbst in den Bundestag einziehen kann. Aber das ist eine persönliche Sache zwischen Gott und mir. Sie werden vom Diplom-Theologen Kober nicht hören, dass solche Gebete grundsätzlich nicht in Ordnung sind. Und natürlich freue ich mich darüber, dass Jochim Gauck Präsident wird.

ZEIT: Warum wollte die FDP einen Pfarrer für dieses Amt?

Kober: Pfarrer wird nur jemand, der die Menschen liebt. Das gilt auch für Joachim Gauck. Die Bürger werden ihn mögen, obwohl er Dinge sagt, denen nicht jeder zustimmt. Außerdem wird er das Bild der evangelischen Kirche verändern.

ZEIT: Warum?

Kober: Bisher wird die evangelische Kirche in der Öffentlichkeit vor allem von Männern und Frauen repräsentiert, die ähnlich wie Sozialdemokraten, Grüne oder Linke argumentieren. Joachim Gauck ist anders. Er ist natürlich kein FDP-Politiker, aber Freiheit und Eigenverantwortung sind ihm so wichtig wie uns Liberalen.

ZEIT: Halten Sie trotz Ihres Bundestagsmandats noch Gottesdienste ab?

Kober: Selten. Als Abgeordneter bin ich vom Pfarrdienst beurlaubt, aber ich nehme Einladungen für Predigten an.

ZEIT: Was sind Sie lieber, Politiker oder Pfarrer?

Kober: Ich mag beides. Auf der Kanzel verbietet sich Partei- und Tagespolitik. Aber in beiden Funktionen geht es um eine gerechtere Welt.

ZEIT: An welcher Stelle erreichen Sie mehr?

Kober: In der Gemeinde diene ich diesem Ziel schon, wenn ich einen Kranken besuche. Als Politiker arbeite ich an den Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft. Das ist schwer gegeneinander aufzurechnen.

ZEIT: Herr Kober, es gibt nicht viele FDP-Politiker, die Pfarrer sind, deshalb wollten wir mit Ihnen über die Armen, die Reichen und das Teilen reden. Gibt es zu viele Reiche in Deutschland?

Kober: Nein. Das Entscheidende für mich als Christ ist der Umgang mit dem Reichtum, nicht der Reichtum an sich.

ZEIT: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen", steht im Matthäus-Evangelium. Tun aber nicht viele Reiche genau das – sie sammeln Schätze, hocken darauf wie Dagobert Duck und geben nichts ab?

Kober: Wenn jemand tatsächlich zweckfrei Besitz anhäuft – dann entsteht Reichtum, wie er im Neuen Testament kritisiert wird. Man soll ihn in den Dienst einer sinnvollen Sache stellen.