Die Krise hat ihre Spuren in der Bilanz der Bundesbank hinterlassen: Der Gewinn ist um 1,6 Milliarden Euro eingebrochen , Risiken, so weit das Auge reicht. Das am Dienstag dieser Woche vorgestellte Zahlenwerk macht eindrucksvoll klar: Die Hauptarbeit im Rettungsgeschäft leisten inzwischen nicht mehr die Regierungen, sondern die Zentralbanken. Sie sorgen mit günstigen Krediten an die Banken dafür, dass die Staaten der europäischen Peripherie nicht vom Geldkreislauf abgeschnitten werden.

Die haben das bitter nötig. Während hierzulande die Wirtschaft boomt, bricht sie im Süden ein. Halb Europa steckt in einer Rezession, in Spanien liegt die Arbeitslosenquote bei 25 Prozent, in Griechenland hat die Hälfte aller Jugendlichen keinen Job. Der Staat kann dagegen nicht mehr viel unternehmen, weil die Kassen leer sind und die neuen – von Deutschland auf den Weg gebrachten – Haushaltsregeln es den Regierungen nicht erlauben, zusätzliche Kredite aufzunehmen.

Ohne billiges Geld würde der wirtschaftliche und politische Zusammenbruch in gleich mehreren Krisenstaaten drohen – und das würde auch Deutschland als größte Gläubigernation Europas hart treffen. Schließlich zahlen kollabierende Staaten ihre Schulden mit Sicherheit nicht zurück. Schon die vergleichsweise milde Umschuldung in Griechenland kostet die deutschen Steuerzahler rund 15 Milliarden Euro.

In einer Welt souveräner Staaten würden die nationalen Währungshüter das nötige Geld bereitstellen, doch in Europa hat nur die Europäische Zentralbank (EZB) Zugriff auf die Notenpresse. Ein Blick in ihre Bilanz ergibt folgendes Bild: 1130 Milliarden Euro hat die EZB derzeit an Krediten ausstehen, rund zwei Drittel davon hat sie an Banken im Süden Europas vergeben.

Die Risiken dieser Operation landen automatisch auch beim deutschen Steuerzahler. Der größte Anteilseigner der EZB ist die Bundesbank , und zahlt ein Land seine Kredite nicht zurück – zum Beispiel, weil es den Euro-Raum verlässt –, muss die Bundesbank einen Teil der Verluste tragen.

Diese möglichen Verluste müssen aber immer in Relation zu jenen Verlusten gesehen werden, die entstünden, wenn die Währungsunion aufgrund unterlassener Hilfeleistung zerbräche. Letztere dürften erheblich höher ausfallen als Erstere, denn die Volkswirtschaften in Europa sind so miteinander verwoben, dass sie nur unter erheblichen Kosten auseinandergerissen werden können. Man kann es auch so sagen: Wenn die Rettung gelingt, werden die Risiken verschwinden. Wenn sie misslingt, ist das Geld sowieso weg.

Die Problemposten in der Bundesbankbilanz sind also der Preis der Währungsunion – und was einige Experten nun an Risiken in den Untiefen des europäischen Zahlungsverkehrssystems Target2 entdeckt zu haben glauben, ist in Wahrheit nichts anderes als die Gegenbuchung zu den offiziellen Geldgeschäften der EZB mit den Banken in Südeuropa. Man muss sich also nicht in die esoterischen Details der Target-2-Debatte einarbeiten, die von euroskeptischen Wissenschaftlern vorangetrieben wird und mehr zur Verwirrung als zur Klärung des Sachverhalts beiträgt. Die Bundesbank haftet anteilig für jeden Euro, den die EZB verleiht. Damit ist das Risiko für die deutschen Steuerzahler vollständig erfasst, es gibt keinen zusätzlichen Geldkreislauf, keine geheime Umverteilungsmaschinerie.