Michael Kiwanuka wirkt verloren da oben. Ein Krischperl mit krautigem Bart, dem das Hemd etwas unbeholfen aus der Hose hängt. Nach dem Knigge für den klassischen Soulman müsste er jetzt den Mikrofonständer umreißen, in dramatischer Geste gen Himmel deuten und einen Gospelschrei hinlegen, der alle Köpfe schlagartig zur Kanzel hin ausrichtet: Predigtzeit! Im Roten Salon Berlin aber scheint das Publikum erst mal kaum Notiz von dem jungen Engländer zu nehmen, den die BBC gerade in ihre einflussreiche Sound of 2012 -Liste aufgenommen hat und den Kritiker, Marktforscher und Medienleute einträchtig zum Shootingstar des Soul erklären.