Genauer gesagt, geht es nicht um die absolute Länge des Ringfingers, sondern um das Längenverhältnis von Zeige- und Ringfinger, kurz als 2D:4D bezeichnet. Der Wert ist bei Männern im Durchschnitt kleiner als bei Frauen. Das heißt, der männliche Ringfinger ist fast immer länger als der Zeigefinger. Bei Frauen sind die beiden eher gleich lang. Das ist schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

Die heute anerkannte Erklärung: Um die 14. Schwangerschaftswoche bilden sich die Finger. Zugleich schüttet der männliche Fötus größere Mengen des Sexualhormons Testosteron aus. Die Entwicklung der Finger und der Geschlechtsorgane wird von demselben Gen gesteuert.

Der Zusammenhang zwischen fötaler Testosteronmenge und Fingerlänge wurde auch bei Tieren beobachtet. Mit dem Testosteronspiegel erwachsener Menschen korreliert der 2D:4D-Wert jedoch nicht.

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Trotzdem gibt es oft Meldungen über einen Zusammenhang zwischen 2D:4D und als "männlich" geltenden Eigenschaften: Ein langer Ringfinger soll mit hoher Spermienzahl, aggressivem Verhalten, Führungsqualitäten und größerer Penislänge einhergehen.

Nach einer Studie von Wiener Forschern prägen sich bei Jungen mit niedrigem 2D:4D-Wert vor der Pubertät männlichere Gesichtszüge aus als bei Altersgenossen mit höherem Wert.

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