DIE ZEIT: Herr Asmussen , die Europäische Zentralbank flutet die Märkte mit Geld . Wann präsentieren Sie den Steuerzahlern die Rechnung?

Jörg Asmussen: Der Steuerzahler wird überhaupt keine Rechnung erhalten. Wir geben das Geld ja nicht einfach so her, sondern verleihen es an Banken und erhalten dafür von ihnen Sicherheiten.

ZEIT: Wie zum Beispiel Staatsanleihen aus Südeuropa. Aber was sind die im Ernstfall wert? Ihr Vorgänger Jürgen Stark hat gesagt, die Qualität der Sicherheiten sei schockierend.

Asmussen: Ich weiß nicht, was er genau gesagt hat. Fest steht: Wir bewerten unsere Sicherheiten täglich und nehmen bei riskanteren Papieren erhebliche Abschläge vor. Die Risiken sind gestiegen, zugegeben – aber sie sind unter Kontrolle.

ZEIT: Das dachten schon viele, um später von den Ereignissen überrascht zu werden.

Asmussen: Die Frage ist doch: Was ist die Alternative? Wir glauben, dass es riskanter gewesen wäre, nichts zu tun. Ende vergangenen Jahres drohte in einigen Ländern des Währungsraums eine Kreditklemme – mit erheblichen Konsequenzen für die Wirtschaft. Diese Gefahr ist gebannt. Wenn man Entscheidungen zu treffen hat, kann man nicht immer nur sagen, was man nicht will. Man muss auch sagen, was man will.

ZEIT: Nur profitieren jetzt wieder einmal die Banken. Sie legen das billige Geld an und streichen den Gewinn ein. Warum geben Sie es nicht direkt den Staaten und den Unternehmen?

Asmussen: Die Staatsfinanzierung ist uns als Zentralbank aus gutem Grund verboten. Wir können nur am Bankensektor ansetzen. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass das Geld schrittweise in der Realwirtschaft ankommt. Es haben sich alleine aus Deutschland 460 Banken an der letzten langfristigen Refinanzierungsoperation ...

ZEIT: ... bei der Sie 529 Milliarden Euro verliehen haben ...

Asmussen: ... beteiligt, darunter auch viele kleine Sparkassen und Volksbanken, die mittelständische Unternehmen finanzieren.

ZEIT: Es gibt aber Banken, die mit dem Geld anderes vorhaben. Warum knüpfen Sie die Kreditvergabe nicht an Auflagen, statt sich von den Bankvorständen abhängig zu machen?

Asmussen: Weil das nicht die Aufgabe einer Zentralbank ist und wir dafür keine Instrumente haben. Wir können nur Liquidität bereitstellen. Ich erwarte allerdings schon, dass die Banken die Gewinne, die sie aus Geschäften damit machen, auch zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis nutzen. Weiteres, etwa Beschränkungen bei der Dividendenausschüttung oder bei Boni, ist Sache der nationalen Aufsichtsbehörden.

ZEIT: So werden Banken über Wasser gehalten , die sonst dem Untergang geweiht wären. Sie verhindern die Flurbereinigung im Finanzsektor.

Asmussen: Ob eine Bank überlebensfähig ist oder nicht, müssen ebenfalls die Aufsichtsbehörden entscheiden. Die Restrukturierung oder Abwicklung von Banken ist nicht unsere Aufgabe. Inzwischen haben viele Länder das Instrumentarium geschaffen, um Banken geordnet abzuwickeln.