Sie parken in ihren sublunaren Hangars auf der dunklen Seite des Mondes: Die Reichsflugscheiben, in denen die Nazis aus ihrer kosmischen Arierkolonie auf die Erde zurückkehren wollen. An diesem V-Tag schleppen mächtige Trägerzeppeline die Hakenkreuz-Ufos zu ihren Angriffspositionen in der Stratosphäre. Wie einst die Stukas stürzen dann die tödlichen Flugflundern hinunter in die Wolkenkratzerschluchten von Manhattan und feuern aus allen Rohren. Hitlers Erben haben einen allerletzten Blitzkrieg begonnen.

Ziemlich schamlos plünderte der finnische Regisseur Timo Vuorensola für sein gewitztes Science-Fiction-Märchen Iron Sky , das kurz vor Ostern in die Kinos kommt, alle gängigen Nazi-Legenden. Denn für eine vornehmlich in den USA beheimatete Subkultur aus Ufologen und Eso-Historikern gab es tatsächlich all das futuristische Teufelszeug aus deutscher Wunderwaffenproduktion. Auf Abertausenden von Internetseiten und in zahllosen Büchern spüren sie vor allem dem Geheimnis der fliegenden Untertassen nach, mit denen die entkommenen Standartenführer des »Dritten Reiches« planten, dereinst ihre germanische Weltherrschaft zu errichten.

Als kürzlich der amerikanische Kabelsender History Channel den Stand dieser Gruselwissenschaft in einem Fernsehfilm dokumentierte, machte das TV-Team aus Übersee auch in Bad Ischl Station. Dort findet sich, etwas abseits des lokalen Habsburger-Kitsches , in einer verwitterten Salzkammergutvilla ein rätselhaftes Objekt, das in den eingeweihten Zirkeln der Nazi-Ufologie als Schlüssel zu dem Mysterium der totalen Wunderwaffe gilt: die sogenannte Repulsine. Das ist eine flache, schwere Schüssel aus Buntmetall mit rund 70 Zentimetern Durchmesser. Ein wenig sieht sie wie ein Druckkochtopf aus, tatsächlich aber sei es der einzig erhaltene Prototyp aus einer Forschungswerkstatt der SS, in der bis unmittelbar zur Kapitulation an einer vollkommen neuartigen Antriebstechnik getüftelt wurde, welche die Wende bringen sollte.

Erst vor fünf Jahren war es dem Hausherrn Jörg Schauberger gelungen, das kostbare Erbstück aus dem Nachlass seines Großvaters aus den USA heimzuholen. Er hatte es in einer Garage in Texas aufgestöbert, wo es unbeachtet viele Jahrzehnte lang verstaubt war. Man sieht dem Ding nicht an, dass es sich dabei um den ersten Entwicklungsschritt zu einer »biotechnischen Energiemaschine« handeln soll, wie Schauberger erklärt.

Das verwirrende Innenleben des Versuchsaggregats funktioniere nach dem Prinzip des »Wellenscheibenkonzepts«, welches verspricht, ganz ohne Treibstoff allein aus Luftverwirbelung Flugbewegung zu generieren: »Vor dem Flugzeug baut sich ein bilogisches Vakuum auf, in das der Flieger hineingesaugt wird.« Wie das genau funktionieren soll, ist nicht ohne Weiteres verständlich. Einsichtig war es vermutlich nur einem: dem Konstrukteur.

Der Schöpfer dieser »Luftturbine«, der Privatforscher Viktor Schauberger , behauptete nach Kriegsende, unter anderem auch in einem Brief an den damaligen deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß , sein Triebwerk habe sich einmal bei einem Probelauf aus der Verankerung gerissen und sei durch das Dach der Werkshalle gekracht.

Auch will er in Erfahrung gebracht haben, dass SS-Ingenieure in den letzten Kriegswochen außerhalb von Prag eine fliegende Untertasse erfolgreich erprobt hätten, die auf seinen Erkenntnissen basierte. Enkel Jörg bleibt skeptisch: »Wenn es so etwas gegeben hat, dann ist sicher Viktor-Technik drinnen gesteckt.«

Ausschließen möchte er diese Möglichkeit allerdings nicht, denn die »Schaubergerei«, wie er die Pflege des Erbes seines Großvaters nennt, stecke voller verblüffender Überraschungen. Langsam würden nun auch konventionelle Wissenschaftler erkennen, welche tiefe Weisheit sich in den Einsichten seines Vorfahren verberge. Im Schwarzwald versucht sogar ein eigener Verein zur »Implosionsforschung«, die Lehre des Biotechnik-Pioniers fortzuentwickeln. Im Wesentlichen beruhe sie auf dem Gedanken, nicht explosiver Schub treibe ein Objekt voran, sondern implosive Naturkräfte saugten es an. Oder so.

Heute pilgern immer wieder neugierige Sinnsucher nach Bad Ischl zu der letzten Wirkungsstätte des »nicht erkannten Genies«, wie der Enkel den Vordenker nennt. In den hohen, holzgetäfelten Räumen eines Villentrakts hat Jörg Schauberger ein kleines Familienmuseum eingerichtet. Merkwürdig verschlungene Metallobjekte ruhen in Vitrinen. Einfache Versuchsapparate und irritierende Schautafeln an den Wänden sollen die Strömungslehre des rauschebärtigen Vorfahren demonstrieren. Es sieht ein wenig aus wie im Physiksaal eines Gymnasiums aus dem 19. Jahrhundert.

Hitler hielt ihn für einen "Schwindler"

Stets habe Viktor Schauberger gepredigt, man müsse die Natur »kapieren und kopieren«. Auf diesem ersten und einzigen Gebot baute sein gesamtes wissenschaftliches Weltbild auf. Er sei davon überzeugt gewesen, erzählt der Enkel, dass in Wasser und Luft »eingesargte Energie steckt, die man durch die richtige Drehung befreien kann«. Man müsse lediglich die »naturrichtige Drehung« finden, jene, die dem »Wirbel, dem Reinigungs- und Ordnungsprinzip der Natur« entspreche.

Alles begann im dichten Tann. Jahrelang war der 1885 in Holzschlag im Mühlviertel als Förstersohn geborene Entdecker selbst als Waldpfleger durch die einsame Region an der tschechischen Grenze gepirscht und hatte auf seinen Rundgängen die natürlichen Abläufe beobachtet. Besonders Wildbäche faszinierten ihn, und er fragte sich, wie es einer Forelle gelingen könne, im Wasser eines rauschenden Wildbaches nahezu bewegungslos im Wasser zu stehen.

Irgendwann kam er zu der Einsicht, dass durch kleine Strudel und minimale Temperaturunterschiede ein Kraftfeld entstehen müsse, welches die Forelle entgegen der Fließrichtung anziehe. »Der Fisch schwimmt nicht«, bringt Jörg Schauberger die Erkenntnis des Großvaters auf eine anschauliche Metapher, »sondern er wird geschwommen.« Gelegentlich nannte der Tüftler in späteren Jahren seinen Ufo-Prototyp auch »Forellenturbine«.

Zunächst widmete sich der Forstmann Schauberger allerdings realitätsnäheren Problemen. In den Mangeljahren nach dem Ersten Weltkrieg mussten alle Energieressourcen genutzt werden, weshalb auch entlegene Waldgebiete ausgeschlägert wurden. Um den komplizierten Transport aus weglosem Gelände ins Tal zu ermöglichen, konstruierte Schauberger im steirischen Neuberg an der Mürz eine raffinierte Schwemmanlage, für die er die künstliche Version eines Wildbaches nachbauen ließ. Kilometerlange Holzröhren mäanderten den Hang hinunter, durch welche die Baumstämme geschwemmt wurden. Das Projekt fand internationale Beachtung, brachte seinem Konstrukteur bescheidenen Wohlstand und einen Ruf in das Landwirtschaftsministerium nach Wien .

»Mein Großvater hat aber ständig neue Ideen gehabt«, erzählt Enkel Jörg Schauberger, »und dadurch ist nie etwas richtig fertig geworden.« Schwemmanlagen interessierten den visionären Geist bald nicht mehr, er wollte nun dem Wasser weitere Geheimnisse entreißen und verlegte sich darauf, dessen Qualität zu verbessern, es gar zu »revitalisieren« und ihm Heilkräfte zu entlocken, indem er es durch allerlei gewundene Leitungen fließen ließ.

Bald hatte er einen imposanten, leider nicht erhaltenen Kasten entworfen, der selbst aus trüber Brühe »Edelwasser« gewinnen sollte. Schauberger verstand es, wortgewaltig seine Pioniertaten anzupreisen und hochmögende Gönner um sich zu scharen.

Einer seiner frühen Anhänger, ein Kaffeegroßhändler aus Bremen , war derart überzeugt von der Genialität des Wasserverwandlers, dass er all seine Beziehungen spielen ließ, um dem Pionier 1934 sogar eine Audienz bei dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin zu verschaffen. Herrenrasse und Edelwasser ergab offensichtlich im neuen Deutschland irgendwie Sinn.

Allerdings nicht bei dessen Führer. Der hielt seinen oberösterreichischen Landsmann für einen »Schwindler« und entließ ihn nach wenigen Minuten huldlos. Verbittert kehrte Schauberger nach Wien zurück und witterte eine Intrige seiner zahlreichen Intimfeinde.

Schließlich wurde eine Nazi-Größe doch noch auf den Quergeist aufmerksam. Julius Streicher, Gauleiter von Franken, Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes Stürmer und Mitglied der okkulten Thule-Gesellschaft , lud den naturverbundenen Antiakademiker zu einem Vortrag vor prominentem NS-Publikum nach Nürnberg ein, da sich die esoterischen Rassisten aus dem Germanenorden ganz allgemein einem Paradigmenwechsel hin zu einer völkischen Wissenschaft verschrieben hatten. Von dem Wasserapostel Schauberger erhofften sie sich wohl wertvolle Anregungen.

Über diesen Umweg geriet Schauberger, der inzwischen unverdrossen bereits seit geraumer Zeit privat an seinem Repulsinen-Aggregat herumgebastelt hatte, ins Visier der Wunderwaffen-Fraktion in der SS . 1943, als alle Fronten wankten, wurde ihm befohlen, sich unter den Häftlingen des Konzentrationslagers Mauthausen fünf geeignete Helfer auszuwählen, um fortan seine Experimente im Dienste des Endsiegs fortzusetzen.

Rätselhaft muss bleiben, was das kleine Team um den Flugscheiben-Visionär konkret anstellte, zu widersprüchlich sind die Quellen. In diese Zeit soll jedenfalls der bislang einzige Ufo-Flug außerhalb eines Filmstudios gefallen sein, der sich bis heute in der Fantasie der Nazi-Legendenschmiede am Leben erhalten hat. Das Kriegsende erlebten Repulsine und ihr Schöpfer jedenfalls unversehrt in einem Sensenwerk bei Linz.

Zunehmend verbitterte der Erfinder in den Nachkriegsjahren. Niemand kümmerte sich um seine bahnbrechenden Entdeckungen: Weder Luftturbine noch Edelwasser fanden Beachtung, auch seine revolutionäre Pflugtechnik oder die Methode zur Kartoffelerntensteigerung wurden links liegen gelassen. Aus Naturforschung war längst Weltmeinung geworden. »Freilich vor die Säue werfe ich die mir von der Vorsehung anvertrauten Erkenntnisse nicht«, wütete er in einer langen Denkschrift, in der er das gesetzliche Verbot aller herkömmlichen Wissenschaft forderte.

Das letzte, traurige Lebenskapitel führte den Erfinder in die Fremde. Mitten in der Ufo-Hysterie des Kalten Krieges lockte 1958 eine Gruppe amerikanischer Millionäre den kranken Erfinder mit all seinen Modellen nach Texas. Dort sollte er auf einer Ranch im frühen Garagenverfahren kostengünstig die Implosions-Revolution auf den Weg bringen. Doch auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stieß er nur auf Unverständnis. Schon nach drei Monaten machte er sich wieder auf den Heimweg. Fünf Tage nach der Rückkehr versagte sein Herz.

Noch liegt die Schauberger-Villa in Bad Ischl im Winterschlaf . Bevor es wieder mit Führungen und Seminarbetrieb losgeht, muss Enkel Jörg Schauberger, der in früheren Jahren als Moderator bei dem Pop-Sender Ö3 für gute Laune sorgte, noch im Haus des Wasserforschers einen Wasserschaden beseitigen. Nein, versichert er, »das sei alles keine Glaubenslehre«. Es sei schlicht der naturrichtige Weg. »Wenn ich ein Narr bin, dann gibt es einfach einen Narren mehr auf der Welt«, meint er: »Wenn ich allerdings recht habe, dann gnade uns Gott.« So viel ist gewiss: Alles fließt.