ZEIT: Es kommt halt darauf an, wie man sie führt. Aber Sie bleiben mir ein Rätsel.

Müller: Ich bin doch ein offenes Buch. Ich habe einen Hang zum Fatalismus. Und ich gebe eine gewisse Ambivalenz zwischen linken und rechten Positionen zu. Aber es geht wohl nicht anders. Überhöhte Managerlöhne vergiften das sozialpolitische Klima. Dann wird das Volk auch noch diese dumme, weltfremde 1:12-Volksinitiative der Jungsozialisten annehmen. Wissen Sie was?

ZEIT: Nein.

Müller: Das Volk wird militant. Minarett-, Ausschaffungs-, Zweitwohnungsinitiative lassen grüßen. Bekommen wir die Asylmisere nicht in den Griff, wird das Volk die bilateralen Verträge über den Haufen werfen. 2014, wenn die Ausdehnung der EU auf Kroatien zur Abstimmung kommt, wird sich das Volk auf die Hinterbeine stellen, den Sack schlagen – und den Esel meinen.

ZEIT: Was kann Bundesrätin Sommaruga tun?

Müller: Als Simonetta Bundesrätin wurde, haben wir lange darüber gesprochen, dass das Volk in der Ausländerpolitik bald die Schnauze voll hat und dann "falsch" abstimmen wird. Sie hört immer gut zu, aber es dauert einfach alles zu lange. Und wenn man jemandem vorwerfen muss, er wolle alles viel zu perfekt machen, dann ist es Simonetta Sommaruga. Sie kann keine Unzulänglichkeiten zulassen.

ZEIT: Wie wollen Sie sterben?

Müller: Beim Jassen mit 87. Und ich weiß schon heute: Dann werde ich ein ganz tolles Blatt in der Hand halten. Das wird ein Ärger!