Abgeprallt an der Bürokratie

Sachsen hat gerade mit Bayern vereinbart, dass es Referendare von dort abwerben darf. Aber mir macht die Bürokratie es unmöglich, jetzt zu meiner Familie nach Reichenau nahe Dresden zurückzukehren und bei der Pflege meines Opas zu helfen. Dabei hatte mir das Ministerium vor dem Studium mitgeteilt, nach einem ersten Staatsexamen in Bayern sei die Rückkehr gar kein Problem.

Wenn alles klappt, mache ich diesen Sommer mein Erstes Staatsexamen an der Uni Passau. Das Referendariat an einer Grundschule hätte ich dann gerne in Sachsen absolviert. Aber man lässt mich nicht. Erst sollte ich bis zum 6.Juni alle Examensnoten vorlegen, obwohl wir in Bayern noch bis Juli Prüfungen haben. Mit großer Mühe und Hilfe von Landtagsabgeordneten habe ich daraufhin eine Fristverlängerung bis zum 1.August erwirken können. Dann aber wurde mir erklärt, dass meine Kombination an Fächern – Englisch und drei Didaktikfächer – nicht anerkannt werde, weil es zu viele seien. Man hat mir gesagt: "Sie müssen sich schon entscheiden." Aber dann hätte ich ja ein Fach umsonst studiert.

Gut, wenn Sachsen mich nicht will, muss ich eben in Bayern bleiben. Hier wird mir zugesichert, dass ich eine Referendarstelle bekomme, ich kann verbeamtet werden und erhalte mehr Geld. Ich frage mich, mit welchen Argumenten Sachsen da noch junge Leute aus Bayern abwerben will. Wenn ich in Bayern Fuß gefasst habe und mein Freund eine Anstellung findet, müsste mir Sachsen schon einiges bieten, damit ich später zurückkomme.

Karen Pötschke, 23, angehende Grundschullehrerin an der Uni Passau

Wer würdigt unsere Leistung?

Ein Glück, dass ich im vorigen Jahr gleich einen Referendariatsplatz bekommen habe. Aber die Bedingungen sind schwierig. Obwohl meine Freundin im April unser Baby erwartet und in Dresden studiert, musste die Familie vorerst nach Zittau ziehen. Ich habe schon einen Antrag auf Schulwechsel gestellt – der wurde aber abgelehnt, weil natürlich alle Plätze vergeben sind.

Einige ganz wenige Noten entscheiden über die Zukunft. Es wird nicht gewürdigt, was wir in der Referendariatszeit leisten! Warum eigentlich? Die Mentoren, mit denen ich sehr gute Erfahrungen mache, sind doch die ganze Zeit in der Schule dabei und sehen unsere Leistungen.

Das alles geschieht bei einer Arbeitsbelastung, die nicht bei 40 Stunden liegt, eher bei bis zu 60. Zu den zehn, zwölf Unterrichtsstunden pro Woche kommen die Vor- und Nachbereitungszeiten, Hospitationen, Seminare, Schulkonferenzen. Das wird auch nicht leichter dadurch, dass der Unterrichtsausfall relativ hoch ist. Es gibt Tage, da sind von 70 Lehrern 16 nicht da. Nicht nur, weil der Krankenstand recht hoch ist. Das macht deutlich, wie sehr junger Nachwuchs an den Schulen nötig und auch gewünscht ist.

Überdies fehlt meist Geld für neue Geräte. Wenn ein Polylux kaputtgeht, muss man sich irgendwie anders behelfen. Da fühlt man sich manchmal ganz schön abgehängt.

Daniel Schulz, 27, Referendar für Russisch und Deutsch an einem Gymnasium in Zittau