ZEITmagazin: In Ihrem neuen Buch , Frau Rösinger, wettern Sie gegen die Norm der "romantischen Zweierbeziehung" und erklären, die Liebe werde oft "überbewertet". Werden Sie sich jetzt nie wieder verlieben?

Christiane Rösinger: Verliebtsein ist so ein süßes Gift, selbst wenn man alle Mechanismen durchschaut hat, kann man immer wieder darauf reinfallen. Aber man sollte aufhören, das ganze Streben und Denken nur auf eine Paarbeziehung auszurichten, als wäre man minderwertig, wenn man kein Paar ist. Gerade Frauen sind oft total zufriedene Singles, sie vermissen nichts, es fehlt ihnen nur dieser Status, um den immer so ein Theater gemacht wird. Immer noch gilt: Lieber unglücklich in einer Beziehung als glücklich und allein.

ZEITmagazin: Aber es gibt doch kein anregenderes Thema als die Liebe.

Rösinger: Ich habe ja auch sehr viele Lieder über die Liebe geschrieben, natürlich immer über die vergebliche, über das Elend der Heterosexualität. Worüber soll man sonst Lieder schreiben? Französische Chansons zum Beispiel handeln entweder von der Liebe oder von Paris oder von der Liebe zu Paris.

ZEITmagazin: Tun Sie jetzt alles dafür, dass Sie nie wieder in einer romantischen Zweierbeziehung landen?

Rösinger: Jedenfalls nicht in so einer: "Dies ist mein Freund – wir machen alles zusammen – wir beziehen uns ständig aufeinander." Ich bin mehr so ein Cliquentyp. Das klingt vielleicht aus dem Mund einer 50-Jährigen ein bisschen seltsam. Aber wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, ist das für mich der perfekte Zustand. Die Auftritte sind wie früher Schulausflüge – ich verlängere das Landschulheim künstlich. Das gefällt mir am besten. Eigentlich ist mein Lieblingszustand: auf der Bühne stehen und dann hinterher mit ein paar Leuten bei Getränken dummes Zeug reden.

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ZEITmagazin: Daher kommt aber auch ein Teil des Ärgers, der sich in Ihrem Buch artikuliert: dass viele für das Cliquenleben nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie sich ins Familienleben zurückgezogen haben.

Rösinger: Wobei Kinder immer nur eine Ausrede sind. Das sind in Wahrheit Leute, die waren schon mit 30 zu faul zum Ausgehen. Ich bin ja mit 20 Mutter geworden und kann sagen: Es geht auch mit Kind!

ZEITmagazin: Zu faul zum Ausgehen ist der schwerste Vorwurf, den Sie erheben können?

Rösinger: Ja, schon. Wobei es bei mir auch ein bisschen nachgelassen hat. Ich vertrag nicht mehr so viel wie früher. Ich bin auch manchmal selber zu faul zum Ausgehen, aber dann habe ich ein richtig schlechtes Gewissen.