Zehn Uhr morgens an einem kalten Freitag in Düsseldorf . Siebzehn Spielfelder der Badmintonhalle Mörsenbroich sind leer. Der Betreiber hat Zeit, die Winterreifen im Abstellraum einzulagern. Über Platz 8 brennt ein Heizstrahler, und zwei blaugraue Augen schauen in schummriges Licht: Juliane Schenk sieht dem Federball zu, wie er läppisch langsam über das Netz trudelt.

Im richtigen Moment macht sie einen athletischen Ausfallschritt, mit rechts reckt sie den Schläger energisch nach vorn. Es gibt jetzt nichts anderes. Ihr Gesicht hat den ernsthaften Ausdruck eines Kindes, das völlig im Spiel aufgeht. Diesen Ball kriegen, jetzt, alles andere ist uninteressant.

Juliane Schenk , 29, gehört zu den zehn besten Badmintonspielerinnen der Welt. Nächste Woche will sie in Schweden Europameisterin werden. Im Sommer soll sie nach dem Willen der Funktionäre bei den Olympischen Spielen eine Medaille holen, was noch kaum eine Europäerin geschafft hat. Dieser Sport heißt zwar nach dem Landsitz eines englischen Adligen, der 1872 das Spiel mit dem Federball bekannt gemacht hat, aber im Badminton sind die Asiaten das Maß der Dinge . In China und Indonesien hat Juliane Schenk einen Namen. Dort schlägt sie vor 10.000 Zuschauern auf, zu einem Heimspiel in der Bundesliga kommen höchstens 500.

Die Frau mit dem schmalen Gesicht hat ihr dunkelblondes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Er wippt, die Gummisohlen ihrer Schuhe quietschen. Die Fersen berühren selten den Boden, meist steht sie sprungbereit auf den Ballen. Ihre schnellen Schritte vereinen die Eleganz des Tanzes mit der Entschlossenheit des Sprints. Der Trainer spielt ihr Dropshots zu, kurze Bälle, die es gerade so eben über das kinnhohe Netz schaffen. Diese muss sie erlaufen, und es ist erstaunlich, wie schnell ein Federball fallen kann. "Mach den Ausfallschritt länger", sagt der Trainer, "trau dich, am Netz ist kein Wasser, da kannst du hin."

Das Spiel sieht langsam aus, auch im Fernsehen

Nach einer Stunde bekommen sie Gesellschaft. Auf Platz 1 finden sich zwei Paare ein, sie spielen Doppel unter großem Gelächter. Was sie tun, sieht aus wie Federball im Garten, nur mit einem Netz und Linien auf dem Platz. So ähnlich stellen sich die meisten Deutschen Badminton vor, zu Unrecht. In keiner anderen Sportart fliegt der Ball so schnell, Weltklassespieler schmettern ihn mit mehr als 400 Kilometern pro Stunde. Aber man sieht dem fünf Gramm schweren Gebilde aus Kork und Gänsefedern sein Tempo nicht an. "Das Spiel sieht unspektakulär und langsam aus", sagt der Betreiber der Badmintonhalle, "auch im Fernsehen."

Juliane Schenk kann damit leben, dass Deutschland ihren Sport als Federball belächelt. "Ich komme aus einer Badmintonfamilie", sagt sie. Sie wuchs in Krefeld auf, mit vier Jahren hielt sie zum ersten Mal einen Schläger. Auch beim Tischtennis hatte sie Erfolg. Noch als Grundschülerin sollte sie zum Großverein Bayer Uerdingen wechseln. Aber sie blieb lieber beim Badminton. Seit gut zehn Jahren widmet sie ihr ganzes Leben dieser Disziplin. Sie ging als Sportsoldatin zur Bundeswehr und zog nach Mülheim an der Ruhr , wo der Verband sein Leistungszentrum hat. Bei einem Turnier in Malaysia gewann sie 20.000 Dollar Preisgeld. Vergangenes Jahr wurde sie Dritte bei den Weltmeisterschaften.

Für diese Woche hat sie einen Trainer aus Malaysia engagiert. Wong Choong Hann soll ihr die letzten technischen Feinheiten beibringen. Der Deutsche Badmintonverband sieht es nicht gern, dass seine beste Spielerin eigene Wege geht, deshalb trainiert sie mit dem Weltklassespieler aus Malaysia nicht im Leistungszentrum, sondern in der kalten Halle in Mörsenbroich. Juliane Schenk hat auch eine Mentaltrainerin engagiert. Sie hilft ihr, dieses Hindernis positiv zu sehen. Es sei gut, sagt sie, auch mal den Trainingsort zu wechseln.