ZEITmagazin: Lassen Sie uns noch einmal zurückkommen zum Internet. Sie bekommen ja jede Woche eine Menge Zuschriften. Sind es vor allem Briefe, oder gehen inzwischen auch viele E-Mails ein?

Schmidt: Es kommen eine ganze Menge E-Mails, ich kann das nicht mehr übersehen. Ich kriege nicht mehr alle Briefe vorgelegt, weil mir das zu viel wird; immerhin bin ich im 94. Lebensjahr. Es wird also ein bisschen gefiltert. Aber alles, was ernsthaft lesenswert ist, landet natürlich auf meinem Tisch.

ZEITmagazin: Das heißt, Ihre Mitarbeiter haben den besten Überblick über Ihre E-Mails?

Schmidt: Sie haben einen ordentlichen Überblick, ja.

ZEITmagazin: Die Facebook-Seite "Helmut Schmidt" gefällt mehr als 40.000 Mitgliedern des Sozialen Netzwerks. Haben Sie sich das schon mal zeigen lassen?

Schmidt: Nee.

ZEITmagazin: Sie sind gar nicht neugierig?

Schmidt: Nee, nee. Ich warte darauf, dass die ZEIT mir davon berichtet. (lacht)

ZEITmagazin: Haben Sie denn ein Handy?

Schmidt: Ich habe kein Handy, und wenn ich eins hätte, würde ich es nicht benutzen.

ZEITmagazin: Weil Ihnen das Hören so schwerfällt?

Schmidt: Nein, weil ich keine Lust dazu habe. Ich telefoniere überhaupt nur noch selten. Wahrscheinlich habe ich das auch früher nie wirklich gern getan. Ich habe immer die Schriftform bevorzugt, und zwar die briefliche Schriftform.

ZEITmagazin: Zu Ihrer Zeit als Politiker, in der Bonner Republik, gab es nur wenige wichtige politische Medien – und oft eine Art Kumpanei zwischen Journalisten und Politikern.

Schmidt: Eine Art Kumpanei, das kann man unterschreiben. Es war wirklich eine sehr spezielle Art, die zum Teil auch zerstörerische Folgen hatte. Nehmen Sie zum Beispiel den Spiegel der fünfziger Jahre. Der zerstörte, ohne es zu wollen, das Vertrauen zwischen den Akteuren.

ZEITmagazin: Inwiefern?

Schmidt: Er zerstörte das Vertrauen in den Ernst des anderen. Durch Indiskretionen, durch Geschichten, die nicht ganz, sondern nur ein bisschen stimmten, durch vielerlei Dinge. Er zerstörte auch das Vertrauen, weil er die Autorennamen wegließ. Die einzige Ausnahme war Rudolf Augstein selbst.