Walter Ulbricht sagt Zuckerraffinerien und Glasfabriken zu

Kurz nach den Mobilisierungskampagnen für den Dammbau begannen Parteiaktivisten, die seinerzeit noch recht lockeren landwirtschaftlichen Genossenschaften auf den Dörfern zu gigantischen Volkskommunen zusammenzulegen, die bis zu 20.000 Menschen umfassten. Die Bauern wurden militärischer Disziplin unterworfen. Eingeteilt in Bataillone, in Kompanien und Züge, sollten sie "Schlachten schlagen". Am Morgen marschierten sie in Formation, die Fahne voran, auf die Felder.

Um die Kampagne weiter zu militarisieren, ließ Mao im August 1958 die zu Taiwan gehörenden Inseln Quemoy und Matsu beschießen. "Eine angespannte Situation ist hilfreich, um die Menschen anzutreiben, insbesondere diejenigen, die rückständig sind", erläuterte er. "Jedermann in unserem Lande ist ein Soldat."

So schien es wohlbegründet, dass die Bauern an militärischen Übungen teilnehmen mussten; die meisten ließen es lustlos über sich ergehen. Aber einige Männer zeigten Engagement. Sie bildeten schließlich die Milizen, die zur Sturmtruppe des Großen Sprungs wurden.

Zugleich begann der Weg in die Große Hungersnot. In Erwartung der Kollektivierung hatten viele Bauern ihre Tiere geschlachtet. Chinas Viehbestände kollabierten. Deshalb ließen die Funktionäre beim Aufbau der Volkskommunen alle Herde und Kessel und sonstiges Kochgerät konfiszieren. Mahlzeiten gab es von nun an nur noch in der Kantine. Die lokalen Funktionäre erlangten so die Kontrolle über das Essen eines jeden Einzelnen.

Und der Druck ließ nicht nach: Überall tauchten Plakate und Spruchbänder mit hohen Produktionszielen auf. Kader, die astronomische Planzahlen meldeten, bekamen als Anerkennung symbolisch eine "Rote Fahne". Als mäßig erfolgreich eingeschätzte Kollektive erhielten eine "Graue Fahne". Die Zuteilung einer "Schwarzen Fahne" konnte gefährlich werden: Niedrige Zahlen galten als Mangel an revolutionärem Enthusiasmus. Entsprechend absurd wurden die Bilanzen aufgeblasen. So meldete die Volkskommune Chayashan in Henan im Februar 1958 ein Ziel von 4.200 Kilo Weizen pro Hektar. Gegen Ende des Jahres waren es völlig utopische 37,5 Tonnen.

Die Bauern wurden angewiesen, die revolutionär neue Methode des "dichten Bepflanzens" anzuwenden: Reis-Setzlinge sollten ganz eng gepackt in die Erde kommen, die Saat selbst war in bis zu zehnfacher Dichte auszubringen. Das Agrargenie Mao wies auch hier den Weg: "Saatpflanzen fühlen sich am wohlsten, wenn sie zusammen wachsen."

Die Bauern versuchten noch, das Unglück abzuwenden. "Ihr steckt die Setzlinge zu dicht", warnten sie die Kader, "die haben keinen Raum zum Atmen. Dann nehmt ihr zehn Tonnen Dünger pro Feld. So erstickt ihr alles!" Vergebliche Worte.