Die Revolution auf dem Lande sollte die Basis jeder weiteren Industrialisierung werden. In Erwartung gigantischer Erträge, schon die Rekordexporte vor Augen, bestellte die chinesische Führung immer mehr Werke und Maschinen im Ausland, hauptsächlich in der Sowjetunion und anderen Ostblockstaaten. DDR-Chef Walter Ulbricht sagte Zuckerraffinerien, Zement- und Glasfabriken zu, außerdem wollte er Kraftwerke liefern. Aber auch Großbritannien und die Bundesrepublik erhielten Aufträge. Im Gegenzug versprachen die Chinesen Getreide, Reis, Baumwolle, Speiseöl. Und tatsächlich hielt man in Peking Wort, selbst als man es gegenüber der Bevölkerung nicht mehr verantworten konnte – dies war eine Frage des Prestiges.

Für die avisierten hohen Ernten brauchte man Dünger. Im ganzen Land begann eine fieberhafte Suche: Tang, Asche, Abfall – alles sollte jetzt zu Dünger werden. Besonders begehrt waren alte Ställe, denn in ihren Lehmziegelwänden steckte Tierdung. Zunächst riss man nur verlassene Gebäude ab. Doch als die Kampagne in Schwung kam, wurden reihenweise benutzte Gebäude geräumt und niedergelegt, die Ziegel zermahlen und auf die Felder gestreut. In der Modellkommune Macheng ging die Vorsitzende des Frauenbundes mit gutem Beispiel voran, zog aus ihrem Haus aus und erlaubte den Abriss. Binnen zweier Tage waren 300 Häuser, 50 Rinderställe und Hunderte von Hühnerhäusern demoliert. Am Ende des Jahres waren im weiten Umkreis 50.000 Gebäude verschwunden

Zur selben Zeit verlangte der Aufbau der Volkskommunen nach Baustoffen. Man brauchte Ziegel für die neuen Zentralgebäude, für Lagerräume, für Kantinen, Schlafsäle und Krankenstationen. Im Kreis Dianjiang, Provinz Sichuan, fackelte ein Kollektiv Hunderte von Strohhütten ab. "Zerstöre Strohhütten an einem Abend, baue Wohnungen in drei Tagen, errichte den Kommunismus in hundert Tagen", so lautete die Losung.

In den Städten begann man mit pompösen Bauprojekten. Der Tiananmen-Platz in Peking ist eines davon. 1959 wurde er auf eine Fläche von sechzig Fußballfeldern erweitert, 400.000 Menschen sollte er fassen können. Dafür räumte man rücksichtslos mittelalterliche Mauern, Bauten und Straßen ab. Überall im Land fielen Zehntausende Häuser, fielen Fabriken und Bürokomplexe der Spitzhacke zum Opfer. Ausländische Gesandte wunderten sich: Einige der Gebäude waren erst kurz zuvor errichtet worden!

Die meisten Renommierprojekte blieben Fragment. Oft stellte man die Arbeiten schon nach kurzer Zeit wieder ein, weil das Baumaterial ausgegangen war. Manchmal wurde auch abgerissen und der neue Platz, die neue Straße gar nicht erst begonnen. "Das generelle Bild", kommentierte ein Diplomat, "ist Chaos."

Der Kern der Industrialisierung sollte die Stahlproduktion werden. Sie lag Mao besonders am Herzen. Auch hier verfielen die Funktionäre auf verwegene Ideen. So sollte jede Volkskommune ihren eigenen Hochofen errichten. Die urtümlichen Konstruktionen waren bis zu vier Meter hoch und von größter Primitivität. Um sie zu füttern, zogen Aktivisten und Milizionäre von Haus zu Haus und griffen nach allem, was sich einschmelzen ließ. Wer versuchte, sich gegen die Beschlagnahme zu wehren, dem drohte der Kantinenausschluss. Als ein Kader selbst dagegen protestierte, dass aus einem Gebäude die Heizung herausgerissen wurde, erklärte man ihn zum "Rechtsabweichler". Li Ying, ein hochrangiger Parteigenosse, berichtete später, allein in Henan seien 1958 mehr als 140.000 Tonnen landwirtschaftliche Geräte in die Öfen gewandert.

Das Ergebnis war kümmerlich. Etliche Eisenbarren aus den Kommune-Hochöfen erwiesen sich als viel zu klein und brüchig, um gewalzt zu werden. In vielen Provinzen, so gesteht ein Bericht des Ministeriums für Metallurgie, war nicht einmal ein Drittel des Eisens zu gebrauchen.