Aber wo auf der Skala der Cyberkriminalität befinde ich mich, wenn ich es trotzdem auf ein T-Shirt drucke ? Entspricht das mehr dem virtuellen Äquivalent einer Fahrerflucht oder einem Gang über die rote Ampel bei Nacht?

Rechtsanwalt Michael Terhaag scheint nicht sonderlich beunruhigt. "Privatkopien sind in der Regel vom Gesetz gedeckt", sagt er. In der Regel. Es muss also Ausnahmen geben. Andere Anwälte beteuern gar, ich könnte sehr wohl zu Schadensersatzzahlungen verdonnert werden. Und es macht dabei einen Unterschied, ob man ein Foto bearbeitet. Auweia! Verändern darf ich das Bild nämlich nicht. Es sei denn, ich bearbeite es so stark, dass wiederum ein eigenes Kunstwerk entsteht. Aber ob das auf meinen Walter Benjamin zutrifft, dem ich ein wenig die Optik von Che Guevara verpasst habe? Ich weiß nicht.

Immerhin, sagt Anwalt Terhaag, weil die Urheberin schon tot ist, könnte ich zumindest nicht wegen Beleidigung der Künstlerin belangt werden. Sehr beruhigend. Bei einer Unterlassungsklage müsste ich aber eventuell auch die Anwaltskosten der Gegenseite übernehmen. Das kann um die 500 Euro kosten. Viel Geld für ein T-Shirt.

Stimmt mein Rechtsverständnis nicht?

Aber vielleicht erlaubt mir das Museum ja auch einfach, das Bild zu benutzen?

Bei meinem Anruf muss die Urheberrechtsbeauftragte Petra Steinhardt lachen. Sie wisse auch nicht so genau, ob man mir das mit dem T-Shirt erlauben könne, das sei immer Ermessenssache. Es sei sehr wichtig, wie man mit einem Kunstwerk umgehe, sagt sie. Im Museum würden sie darauf achten, ein Bild nicht zu beschneiden oder zu verändern. Manchmal werde lange diskutiert, ob man Bilder etwa für ein Ausstellungsbanner auf eine riesige Größe ziehen dürfe. Ich schlucke und traue mich kaum, ihr zu erzählen, was ich mit dem Bild gemacht habe. Denn Frau Steinhardt hält meine Walter-Benjamin-Verfremdung offensichtlich nicht für ein neues Kunstwerk. "Das ist eine furchtbare Vorstellung", sagt sie. Hm. Das wird wohl nichts mit der Erlaubnis.

Jetzt habe ich kein Geburtstagsgeschenk, aber dafür gemischte Gefühle. Denn eigentlich habe ich ja nichts gegen Regeln. Aber verwerflich kann ich meine Bildbearbeitung auch nicht finden. Ich hätte ja keinen Schaden verursacht, keinen Gewinn gemacht und wollte auch bestimmt niemanden kränken. Anscheinend stimmt etwas mit meinem Rechtsverständnis nicht. Und auf einmal habe ich mit Regeln durchaus ein Problem.