Wer Mitte der neunziger Jahre als Austauschschülerin in England war, erinnert sich zum einen daran, dass alle Jungs in der Grammar School sehr traurig waren, weil Kurt Cobain sich gerade umgebracht hatte. Zum anderen fiel auf, dass es abends in der Gastfamilie Essen wie Kartoffeln mit Nudeln gab oder Kartoffeln mit Pfannkuchen und dazu eine Wurst. Die britische Küche hatte sich zu diesem Zeitpunkt selbst aufgegeben. Dann kamen Jamie Oliver , Ruth Rogers und Rose Gray vom River Café , Nigel Slater, Nigella Lawson, Heston Blumenthal, Gordon Ramsay, Yotam Ottolenghi – die Liste interessanter britischer Köche ist heute lang.

Wer gern isst, sollte also mal wieder nach London fahren. Die Einwandererküche ist dort lebendig wie nie, und viele Köche entdecken die alte britische Küche neu. Jason Lowe , der für uns die Bilder für dieses Genießen-Heft fotografiert hat, isst am liebsten englischen blood cake mit gebratenem Entenei oder einen frittierten Schweineschwanz. Zusammen mit seiner Frau betreibt er in Londons Prenzlauer Berg Hoxton ein eigenes Café, das Towpath Café. Dort gibt es auch normalere Speisen für Leute, die keine food nerds sind. Zum Beispiel kann man, direkt an einem Kanal in der Sonne sitzend, ein Rührei mit Bärlauch essen.

Bärlauch schmeckt und riecht nach Schnittlauch, Knoblauch und Zwiebeln, wenn man ihn roh im Salat isst. Wird er erhitzt, verliert er etwas Schärfe und erinnert an Spinat.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/​AFP/​Getty Images

Die Bärlauchblätter schneidet man längs in Streifen und schwitzt sie in einer Pfanne mit dem Olivenöl an. Dann nimmt man die Blätter aus der Pfanne. Das verbliebene Fett wird erhitzt, bis es kurz davor ist, zu rauchen.

Jetzt werden die Eier und das Eigelb verschlagen und mit den angebratenen Blättern in die Pfanne gegeben. Man schmeckt mit Salz und Pfeffer ab. Die Eiermasse wendet man nach einem Augenblick und belässt sie dann für ungefähr eine halbe Minute in der Pfanne. Das Ergebnis sollte weich und locker sein und eine Konsistenz zwischen Rührei und Omelett haben. Die Eier essen sich am besten auf einer Scheibe Sauerteigbrot. Darüber wird scharfes spanisches Paprikapulver gestreut.

Man kann den Bärlauch vor allem in Süddeutschland zu dieser Jahreszeit im Wald selber sammeln. Man sollte die Pflanze aber wirklich nicht mit dem giftigen Maiglöckchen verwechseln, dem sie ähnlich sieht. Es sind schon Leute an einer Maiglöckchenvergiftung – ein Wort wie aus einem Brontë-Roman – gestorben.

Bärlauchomelett (für eine Person)

10 Bärlauchblätter
1½ EL Olivenöl
2 Eier 1 Eigelb
Salz und Pfeffer Paprikapulver (spanisch, scharf)
1 Scheibe Sauerteigbrot