DIE ZEIT: Seit Anfang des Jahres sind Sie die neue Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) . Ihr altes Amt als Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) haben Sie noch vier Monate behalten. Wie geht das eigentlich, zwei Spitzenämter parallel auszufüllen?

Margret Wintermantel: Auf Dauer geht das nicht. Darum habe ich es nur vorübergehend gemacht, bis jetzt mein Nachfolger bei der HRK gewählt war.

ZEIT: Dass Sie sich auf diese Hängepartie eingelassen haben, hatte mit der Führungskrise des DAAD zu tun. Seit dessen Präsidentin Sabine Kunst Anfang 2011 Wissenschaftsministerin in Brandenburg geworden ist, stand die größte Austauschorganisation der Welt ohne Chefin da. Ein unhaltbarer Zustand?

Wintermantel: Einer, der Abhilfe brauchte. Jetzt aber können wir nach vorne blicken und die hervorragende Arbeit des DAAD vorantreiben.

ZEIT: Blicken wir zunächst zurück. Sechs Jahre lang waren Sie Chefin der HRK, die nach eigenem Bekunden »die Stimme der Hochschulen« sein will. Als Sie antraten, hatte diese Stimme einen ziemlich behördlichen Klang. Hat sich das geändert?

Wintermantel: Viele Kollegen sagen mir, dass die HRK heute schlagkräftiger ist. Manch einer vergisst, dass wir nur ein paar Dutzend fester Mitarbeiter haben – bei über 250 Hochschulen, die wir vertreten. Unter diesen Bedingungen möglichst effizient zu agieren und zu kommunizieren gehörte zu meinen wichtigsten Zielen. Und ich denke, wir haben es geschafft, als Reformmotor und Moderator im Hochschulwesen wahrgenommen zu werden. 

ZEIT: Sie sagen: Reformmotor. Ihre Kritiker sagen: Die HRK hat sich bedingungslos der Bologna-Reform verschrieben. Manche sprechen von »Propaganda für den Bachelor«.

Wintermantel: Unsinn. Mir lag und liegt am Herzen, dass wir der jungen Generation die bestmögliche Ausbildung ermöglichen. Gerade angesichts der enorm steigenden Studierendenzahlen. Nachdem die Politik nun einmal die Neuausrichtung der Studiengänge beschlossen hatte, mussten wir für einen Erfolg der Reform kämpfen und zu den vernünftigen Zielen dieser Reform – und zu den Stärken unserer Hochschulausbildung – stehen. Ich bin sicher: Es wäre ein unverzeihlicher Fehler gewesen, den Umbau auf halbem Wege zurückzudrehen.