ZEITmagazin: Herr Ballack, in der kommenden Woche, am letzten Spieltag, ist für Sie nach über 260 Spielen unwiderruflich Schluss in der Bundesliga. Sie beenden, auch wenn es andernorts vielleicht noch ein wenig weitergehen mag, faktisch Ihre Karriere als Profifußballer. Was ist das Schwerste für Sie in diesem Moment des Abschieds?

Michael Ballack: Ich hatte während meiner Karriere oft das große Glück, dass ich Angebote von den besten Mannschaften Europas hatte. Ich konnte bei all meinen Vereinswechseln unter einigen Angeboten von europäischen Topklubs wählen. Das wird jetzt mit 35 Jahren anders sein.

ZEITmagazin: Inwiefern?

Ballack: Irgendwann ist der Punkt für jeden Fußballer gekommen, an dem du dich fragst: Was befriedigt dich noch? Was macht dir noch Spaß? Hörst du nun auf, oder gibst du dich sportlich mit weniger zufrieden? Das Wichtigste ist, dass der Leistungswille und die Freude am Spiel noch vorhanden sind.

ZEITmagazin: Haben Sie den richtigen Zeitpunkt für Ihren Abschied verpasst?

Ballack: Nein, absolut nicht. Ich habe ja bewusst einen Zweijahresvertrag bei Bayer Leverkusen unterschrieben, um weiterhin auf hohem Niveau zu spielen. Die Mannschaft hat sich in der vergangenen Saison für die Champions League qualifiziert, und ich denke, dass ich dazu in den Spielen, in denen ich unverletzt war, auch meinen Beitrag geleistet habe.

ZEITmagazin: Hat Ihnen zuletzt in Leverkusen etwas gefehlt?

Ballack: Früher wusste ich, wenn ich verletzt war, wofür ich kämpfe. Es war für alle Beteiligten klar: Wenn ich wieder fit bin, werde ich an die Mannschaft herangeführt, dann bin ich wieder da. Das war zuletzt anders und auch neu für mich. Umso schöner ist es, dass es jetzt zum Ende der Saison noch einmal bergauf geht.

ZEITmagazin: Fällt es Ihnen leicht, die Zeit danach zu planen?

Ballack: Nein. Das ist natürlich nicht leicht. Ich bin oft hin- und hergerissen. An manchen Tagen malst du dir deine Zukunft so aus, und am nächsten Tag hast du wieder ganz andere Gedanken.

ZEITmagazin: Was wäre ein guter Plan?

Ballack: Was heißt schon ein guter Plan? Das muss jeder für sich entscheiden. Der eine sucht neue berufliche Herausforderungen, der andere zieht sich vielleicht zurück aus der Öffentlichkeit und sucht sein Glück im Privaten.

ZEITmagazin: Wie könnte das bei Ihnen sein?

Ballack: Das wird sich zeigen.

ZEITmagazin: Gut, dann blicken wir erst mal nicht nach vorn, sondern zurück: Welches waren die drei wichtigsten Momente Ihres Fußballerlebens?

Ballack: Da fällt mir spontan der erste deutsche Meistertitel 1998 mit Kaiserslautern ein. Das hat mich als jungen Spieler sehr beeindruckt.

ZEITmagazin: Fehlen noch zwei.

Ballack: Sicherlich meine schwere Verletzung mit 16 und die darauf folgende Diagnose. Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, hörte ich den Arzt sagen: »Das wird nichts mehr mit dem Fußballspielen.« Da sind natürlich Tränen geflossen, das war das Schlimmste für mich überhaupt.

ZEITmagazin: Ist der immer im Kopf geblieben, dieser Satz, Ihr ganzes Leben?

Ballack: Ja, anscheinend schon.