Seit den Tagen der Hippies haben unzählige Rockstars in Interviews davon berichtet, wie auf ihren LSD-Trips Klänge zu Farben wurden. In ihren Erzählungen kriechen lila-türkisfarbene Gitarrentöne die Wand hinauf, tiefschwarze Basskugeln rollen durch den Raum, eine schlichte Tonleiter wird zum weltumspannenden Regenbogen und immer so weiter bis zur Erleuchtung. Einige großartige Schallplatten sind aus derart verpeilter Wahrnehmung entstanden (recht früh dabei waren die braven Beatles mit ihren Alben Revolver und Sgt. Pepper), allerdings auch unendliche Mengen unhörbarer Dudelei. Und will man sich wirklich dubiose Chemikalien ins Hirn pumpen, nur um einen neongrünen Flötentonflummi durchs Wohnzimmer hüpfen zu sehen?

Einige wenige Leute haben bekanntlich die Gabe, völlig drogenfrei Musik in Farbe hören zu können. Oder zu müssen, denn diese recht seltene Art der Wahrnehmung – Fachbegriff: Synästhesie – lässt sich nicht abschalten. Der berühmteste Farbmusikmaler ist der Komponist Olivier Messiaen (1908 bis 1992), der seine Werke gern mit äußerst präzisen Farbhinweisen versah.

So etwa bei einem Stück, »dessen Harmonien von grün gestreiftem Blau über Diamant, Smaragd und Purpurviolett bis zu rot und golden geflecktem Schwarz reichen, bei deutlicher Dominanz von milchweiß gesprenkeltem Orange«. (Ähnlich farbenfroh kleidete er sich übrigens auch.)

Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild. © Martin Klimas

Einer seiner Vorgänger, der russische Komponist Alexander Skrjabin (1872 bis 1915), hat bereits vor hundert Jahren ein Orchesterwerk verfasst für ein – damals noch utopisches – Farbenklavier. Nach seinem Tod vergingen noch rund sechzig Jahre, bis die sogenannte Lichtorgel fester Bestandteil von Discos und Rockkonzerten wurde.

Bunter und wilder als jede Lightshow sind die Musikfarbfotos des Künstlers Martin Klimas, mit denen er einige seiner Lieblingsplatten sichtbar gemacht hat. Für jedes Bild seiner Serie Sonic Sculptures (»Klangskulpturen«) goss er diverse Farben auf eine Folie, die er zuvor über die trichterförmige Membran eines Lautsprechers gespannt hatte. Dann drehte er die Lautstärke auf und hielt in einer Siebentausendstelsekunde Belichtungszeit den Moment der Farb- und Klangexplosion fest. Mit einer ähnlichen Technik hat Klimas, 1971 in Singen geboren, auch schon zersplitternde Vasen und Porzellanfiguren in wunderschön dramatischen Bildern verewigt.

An seinen Klangskulpturen hat Klimas in seinem Atelier in Düsseldorf mehrere Monate lang gearbeitet. Dank seiner Bilder können wir nun die aufregende Musik von Richard Wagner , Pink Floyd, Miles Davis und anderen Giganten der Musikgeschichte in mindestens ebenso aufregenden Bildern sehen. Und das ganz ohne ungesunde Nebenwirkungen. Synästhesie für alle!