Selbst der Alte auf dem Hügel hat seinen Segen für Dresden gegeben: Berthold Beitz , 98 Jahre alt und Herr in der Villa Hügel , dem Sitz der steinreichen Krupp-Stiftung in Essen. Das Wort des kunstsinnigen Patriarchen zählt viel im Revier. Er entscheidet mit über Millionen Euro und Karrieren. Zu den Menschen, die ihm etwas verdanken, zählt auch Hartwig Fischer.

»Machen Sie das«, so sprach Beitz, als er von Fischer erfuhr, dass der zum 1. Mai als Generaldirektor an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) wechseln werde. Damit findet eine Geschichte ihren vorläufigen Höhepunkt, die wundersam begann.

Es war der 23. August 2006, als Hartwig Fischer einen Anruf vom Hügel bekam. Erst seit Kurzem war er Direktor des Essener Museums Folkwang . Ein Kunsthistoriker. Zwölf Jahre lang hatte er in Basel gearbeitet und dort einige furiose Ausstellungen vor allem zur Klassischen Moderne kuratiert. »Er schien international gut vernetzt zu sein, sprach mehrere Sprachen«, erinnert sich Hanns-Jürgen Spieß, 65, ein Maler, der damals Essens Kulturausschuss leitete. Doch Fischers Berufung überraschte viele in der Stadt. Hartwig wer? Und würde ausgerechnet der es schaffen, den famosen, aber maroden Museumskomplex zu erneuern?

Beitz bat Fischer zu sich und eröffnete ihm, dass die Krupp-Stiftung Geld bereitstellen werde für den Neubau des Museums Folkwang: 55 Millionen Euro. Für Fischer war es »das Wunder von Essen«.

Er steht im Dresdner Albertinum. Ein freundlicher Mann mit grau meliertem Bart und besten Manieren, der oft leise und immer druckreif spricht. Eine Unterhaltung mit dem 49-Jährigen hat wenig von einem Pingpong-Spiel; eher etwas von Schach. Mit langen Pausen des Nachdenkens. Dennoch wirkt er nach einer Weile im persönlichen Gespräch weit weniger steif als auf Fotos zu Jahresbeginn. Da wurde er der Öffentlichkeit als neuer SKD-Chef präsentiert. Die Bilder zeigen ihn, wie er im Jackett mit Goldknöpfen vor Raffaels Sixtinischer Madonna steht. Er blickt staatstragend – ins Nichts.

Kaum mehr als ein paar dürre Zeilen Biografisches und Zitate aus einer Pressekonferenz, das ist schon fast alles, was in Sachsens Kulturzirkeln bislang über Hartwig Fischer bekannt ist. Ein Galerist, der ihm begegnete, sagt: »Sensationell gute Wahl! Ein sehr intelligenter Mensch.« Die große Mehrheit, die ihn noch gar nicht kennt, fragt sich: Wie tickt der neue Generaldirektor?

»Er geht sehr geschickt auf Menschen zu«, erzählt Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD). Paß weiß, wovon er spricht. Dem 56-jährigen Ingenieur wurde im Wahlkampf nachgesagt, er habe es nicht so mit der Kultur – dabei gehört die Sammlung Folkwang zur Hälfte der Kommune. Bei einer Privatführung im kleinen Kreis mit anschließendem Essen beim Italiener nebenan soll Fischer das Verhältnis zur Stadtspitze sehr entkrampft haben.