Mit Charisma und Köpfchen macht sie vor, wie das geht, dieses: gute Miene zum ungeliebten Spiel machen. Hat die Regeln akzeptiert, auch wenn’s nicht die ihren sind. Aber da nichts für immer ist und sie das weiß, hat sie eingewilligt, denn letztlich ist sie überzeugt davon: Jeder soll in der Gesellschaft seinen ihm gemäßen Platz finden, für sich selbst und zum Wohl der anderen. Zudem gefällt es ihr, jungen Leuten die rosarote Brille in Sachen Liebe abzunehmen: "Niemand sagt einem, dass das Arbeit ist. Alle Welt sagt nur: ›Liebt euch‹, und: ›Was für ein schönes Hochzeitskleid...‹"

Den klaren Blick für die Realität hat sie früh trainiert. So wie alle Leute, die sich von unten nach oben durchkämpfen. Wie man inzwischen weiß, musste ihre Ururgroßmutter noch Schafe hüten; ihr Vater war chronisch krank, die Mutter liebevoll, verlangte aber Disziplin. Erziehungsregel Nr. 1: Die Leistung in der Schule muss stimmen. Das intelligente Mädchen übersprang eine Klasse, bekam ein Stipendium, schloss ab mit summa cum laude. Auf ihrer vorerst letzten Karrierestufe verdiente sie ein kleines Vermögen und damit mehr als ihr Mann, der noch heute von ihrem ersten Kuss schwärmt, der "so süß wie Schokolade" war. Bis er ihn bekam, musste er heftig baggern. Sie wollte ihn anfangs nicht – ahnte sie, was kommen würde?

"Ich habe dich geheiratet, weil du klug und smart bist, aber diese Sache ist die dümmste, um die du mich je hättest bitten können", soll sie, laut ihm, gezürnt haben. Fast erübrigt sich die Frage, die wir dennoch stellen wollen: Wo stände sie heute ohne ihn? Noch spannender: Und wo stände er ohne sie? Zumindest zeigte er keine Angst vor ihrer Stärke wie andere Verehrer. Das mag ihr imponiert haben. Auch wenn sie nun da gelandet ist, wo sie nie hinwollte: in der Familienphase mit Haus und Garten, Hund und Kind. Wie sie sich wohl fühlt, wenn sie auf ihr Aussehen reduziert wird, ihr Faible für Designermode? Auf ihre Rolle als Mutter? Heile Welt – verkehrte Welt? Manchmal lässt sie ihren Mann allein auf angeblich wichtige Termine gehen. Und prompt wird spekuliert, ob sie auf dem Absprung sei. Und doch erfüllt sie die Erwartung, Vorbild zu sein, spornt längst nicht nur die eigenen Sprösslinge zu Ehrgeiz an.

Vielleicht ist ja immer noch was dran an dem alten Witz. "Frage: Warum sollen Frauen lieber schön sein als klug?" – "Antwort: Weil Männer besser sehen als denken." Allerdings stellt sich in ihrem Fall noch eine zweite Frage: Und was ist mit den Frauen, die beides sind – schön und klug? Eine ihrer Vorgängerinnen zeigt bereits, was langfristig möglich ist, und steht ihren Mann. Führt auf eigene Art weiter, was der begann (und um ein Haar verspielte). Doch unserer Lady ist das ganze Terrain im Grunde zu gemein und verlogen – ein frühes Statement, das ihr mancher anfangs übel nahm. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 17:

Indira Nehru (1917 bis 1984) war die Tochter J. Nehrus, der 1947 erster Premierminister Indiens wurde. Ein Kinderfoto zeigt die Siebenjährige mit dem hungerstreikenden Mahatma Gandhi , dem geistigen Führer der Unabhängigkeitsbewegung, deren politischer Führer ihr Vater war. Die Namensgleichheit mit ihrem späteren Mann ist zufällig. 1947 übernahm sie die Rolle einer First Lady neben dem Vater und zunehmend politische Aufgaben. Nach seinem Tod 1964 wurde sie erst Ministerin, 1966 Premierministerin. Mit der "grünen Revolution" forcierte sie die Agrarisierung Indiens, den Konflikt mit Pakistan suchte sie mit internationaler Hilfe zu lösen. Sie wurde Opfer eines Attentats durch zwei Leibwächter aus Rache für die Operation Blue Star gegen separatistische Sikhs