Nalini Heeralall-Issur will auf jeden Fall gewinnen. Vor mehr als zwei Jahrzehnten war sie die erste Astrophysikerin in Mauritius, einem kleinen Inselstaat im Indischen Ozean. Heute wartet sie dort auf die umkämpfte Standortentscheidung für das weltgrößte Radioteleskop, das Square Kilometer Array (SKA) . Um den Bau und Betrieb der Zentrale konkurrieren zwei Bewerber, Südafrika und Australien . Zwischen den beiden liegt der Indische Ozean, und darin liegt Mauritius.

Das SKA besteht aus 3.000 Parabolantennen mit einem Durchmesser von 15 Metern und vielen Tausend weiteren kleinen Antennen. Diese bilden eine Sammelfläche von insgesamt einem Quadratkilometer, daher der Name. Die Antennen werden weiträumig auf fünf riesige Spiralarme verteilt, nach außen in immer größeren Abständen. So erstreckt sich das SKA über ein Gebiet von der Größe Europas (ZEIT Nr. 27/11). Das neue Superteleskop soll die Anfangsphase des Universums so präzise untersuchen können wie nie zuvor. Seine Empfindlichkeit ist so groß, dass es ein Fernsehprogramm verfolgen könnte, das auf einem 50 Lichtjahre entfernten Planeten ausgestrahlt wird.

Der Inselstaat Mauritius hat sich bisher, zusammen mit sieben afrikanischen Ländern, für Südafrika als zentralen SKA-Standort beworben. »Aber wenn der Zuschlag an Australien geht, könnten wir uns trotzdem mit ein, zwei Antennen beteiligen«, sagt Heeralall-Issur gelassen. Denn ihre Heimat könnte beiden SKA-Varianten als äußerer Horchposten dienen. Daher sei das Superteleskop »für die Zukunft der Radioastronomie in unserem Land so oder so ein Glücksfall«.

Die meisten Mitglieder ihrer Zunft sehen das weniger entspannt. Die Radioastronomen stecken nämlich bei der Standortentscheidung für das SKA in einer Zwickmühle. Dabei galt es zunächst als gute Idee, zwei Regionen zum Wettstreit um das beste SKA-Konzept antreten zu lassen, Konkurrenz wirkt meist förderlich. Doch hier führte sie zu Stillstand, weil die gründliche Bewertung der Bewerbungen ergeben hat, beide Standorte seien gleich gut geeignet. Nur bei den Kosten sei Südafrika leicht im Vorteil. Statt wie geplant im April zu entscheiden, sucht der SKA-Vorstand nun händeringend nach einem Kompromiss, der niemanden verprellt. Ein Expertengremium soll klären, ob sich die Antennen auf beide Kontinente verteilen ließen.

»Möglich wäre eine Aufteilung nach Frequenzen«, sagt Heino Falcke. Der deutsche Radioastronom arbeitet an der Universität in Nijmegen und sitzt im wissenschaftlichen SKA-Beratungsgremium. Die hohen Frequenzen könnten am einen, die niedrigen am anderen Standort gemessen und verarbeitet werden. Dafür wären dann allerdings auch zwei Supercomputer nötig. Die SKA-Antennen werden zehnmal so viele Daten liefern, wie derzeit im gesamten Internet unterwegs sind. Ein Kabel, das sie zwischen Australien und Südafrika übertragen könnte, wäre teurer als die bisher geschätzten Gesamtkosten von 1,6 Milliarden Euro für das SKA.

Deutschland will nun mitentscheiden und in den nächsten Tagen Vollmitglied der SKA-Organisation werden. Das hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan vergangene Woche auf einer Südafrikareise angekündigt. Deutsche Astronomen waren zwar an den wissenschaftlichen Vorarbeiten beteiligt, doch in der Standortfrage sind bisher nur China , Kanada , Großbritannien , Italien und die Niederlande stimmberechtigt. Als Vollmitglied könnte Deutschland Zünglein an der Waage spielen – und Südafrika zum Erfolg verhelfen. Aus dieser Präferenz machte Annette Schavan bei ihrem Besuch am Kap keinen Hehl.