Es gibt heute Restaurants, die sich auf mediterrane Armeleuteküche spezialisiert haben und auf deren Speisekarten jetzt im Frühjahr Löwenzahnsalat steht. Wer sich über diese Sozialromantik ärgert, sollte sich daran erinnern, dass Löwenzahn in den achtziger Jahren eine Fernsehsendung für Kinder war, in der das Unkraut für alles Wilde stand. Schließlich wächst diese freche kleine Pflanze dort, wo sie gar nicht wachsen darf. Im Vorspann der Sendung schieben die Blätter sich durch den grauen Asphalt der Stadt.

So sieht jede Gesellschaft etwas anderes im Löwenzahn. Es wäre ein schönes Thema für eine kulturwissenschaftliche Hausarbeit, die im 17. Jahrhundert mit John Evelyn beginnen könnte. Der Vegetarier der ersten Stunde erwähnte den Löwenzahn in seinem Gartenbuch, das, wörtlich übersetzt, den Titel "Salatdiskurs" trägt. Er schreibt auch, dass in der griechischen Mythologie die Göttin Hekate einen Löwenzahnsalat für Theseus zubereitet habe. Evelyn hat allerdings auch einen ausführlichen Reiseführer über Teneriffa verfasst, ohne jemals dort gewesen zu sein. Man kann sich auf seine Behauptungen also nicht unbedingt verlassen.

Statt den Löwenzahn, der überall auf den Bürgersteigen in der Stadt wächst, zu pflücken, nimmt man lieber welchen aus dem eigenen Garten oder aus dem Gemüseregal im Biomarkt. Dort werden jetzt die jungen Blätter verkauft, die gerade bitter genug sind, dass sie eine aromatisch interessante Verbindung mit der Süße eines pochierten Eis und salzigem Speck eingehen. Dieser Salat ist ein Klassiker der Küche Frankreichs, wo der Löwenzahn den erstaunlich rüden Namen Pisse-en-lit trägt.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Die Blätter werden gezupft, vielleicht auch mit der Hand geteilt, wenn sie zu groß sind. Dann wäscht man sie gründlich und trocknet sie in der Salatschleuder. Um ein Ei zu pochieren, bringt man in einem Topf Wasser mit einem Schuss Weißweinessig zum Kochen. Das Ei schlägt man am besten in eine Suppenkelle, mithilfe derer man es vorsichtig ins heiße, nicht mehr sprudelnde Wasser gleiten lässt. Das Ei färbt sich augenblicklich weiß. So kocht es – je nach Geschmack – 3 bis 5 Minuten. Mit der Kelle wird es wieder herausgeholt. Den Salat macht man mit Öl, Zitrone, Salz und Pfeffer an. Ganz am Ende wird der zuvor in der Pfanne ausgelassene Speck beigefügt und das pochierte Ei obendrauf gesetzt.

Löwenzahnsalat mit Speck und pochiertem Ei (für 2 Personen)

2 Handvoll Löwenzahnblätter
2 Eier
etwas Weißweinessig
Olivenöl, Zitrone, Salz, Pfeffer
80 g Speck