Von Neonazis distanzieren sich Frei.Wild ausdrücklich. Schließlich habe unter dem Nationalsozialismus »die Heimat gelitten«, singen sie in dem Lied Wahre Werte . Die Böhsen Onkelz haben ihnen die ideologische Camouflage vorgemacht. Die Band bewies, wie die eigene Rechtsrock-Vergangenheit für PR-Zwecke genutzt werden kann. »Es sind Rebellen, die es auch ohne Viva und MTV ganz nach oben geschafft haben«, schwärmt Frei.Wild-Sänger Burger.

Bei der Gründung der Gruppe 1980 (erster Name: Beulenpest) fühlten sich die Musiker, ebenso wie Burger, noch im Skinheadmilieu zu Hause. Ihr erstes Demotape trug den Titel T ürkähn rauhs Mit rassistischen Kampfliedern wie Kill the Hippies und Deutschland den Deutschen machte sich die Truppe schnell einen Namen in der Neonaziszene. Ihr erstes Album wurde 1984 wegen Gewaltverherrlichung indiziert. Ein Jahr später begann sich die Gruppe vom Rechtsextremismus abzuwenden. Die Zeit als Rechtsrocker wurde als Jugendsünde verkauft. Trotzdem blieb ihre Musik für viele der Einstieg in die Szene.

Radio- und Fernsehsender weigerten sich beharrlich, die Lieder der Band zu spielen, und Geschäfte nahmen ihre Platten nicht in den Verkauf. Für die Glaubwürdigkeit der Onkelz war der Boykott aber alles andere als schädlich: 26 Goldene und neun Platin-Platten ergatterten sie. Zahlkräftige Fans machten die Onkelz zu Millionären. Zum Abschiedskonzert 2005 am Lausitzring pilgerten über 100.000 Besucher.

Auch sieben Jahre danach ist der Kult um die Frankfurter Rocker ungebrochen. Eine unüberschaubare Zahl von Onkelz-Coverbands tritt in Dorfdiscos und Rockklubs auf. Höhepunkt des Gedenkens ist die »Größte Onkelz-Nacht Deutschlands« im bayerischen Rieden-Kreuth, zu der jährlich Tausende Zuschauer strömen. Frei.Wild standen dort bereits sechsmal auf der Bühne. Den Ritterschlag als Erben des großen Vorbilds verlieh ihnen der frühere Onkelz-Gitarrist Matthias Röhr mit einem Gastauftritt bei einem Konzert in Stuttgart.

Ähnlich wie bei den Onkelz tat die öffentliche Distanzierung von rechtem Gedankengut der Beliebtheit von Frei.Wild im rechtsextremen Milieu keinen Abbruch. Im größten deutschen Naziforum im Internet werden die Südtiroler mit Lob überhäuft. »Geile Band nach Onkelz-Manier und keineswegs links eingestellt«, heißt es dort. Die Abgrenzung sei »aufgrund des Drucks der Fratzenpresse« geschehen, mutmaßt Nutzer »Frontsoldat«.

»Entgegen aller Beteuerungen vertreten Frei.Wild sehr wohl politische Inhalte, und zwar ultranationalistische«, sagt Politikwissenschaftler Christoph Schulze vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin. Wer einen Zusammenhang zwischen menschlicher Abstammung und dem Heimatboden behaupte, bewege sich auf »brandgefährlichem Terrain«.

Gemeint sind Lieder wie Wahre Werte, in dem die Gruppe den Untergang des »Volkes« prophezeit, in das Migranten freilich nicht einbezogen werden.

»Der ganz verbohrte Kern der Naziszene wird von den Anti-Nazi-Statements abgeschreckt«, sagt Schulze. Doch für den Rest nehme die Band genau die Schlüsselfunktion der Onkelz ein. »Hymnen auf Vaterland und Männlichkeit sprechen einfach das rechte Lebensgefühl an.« Rechtsextrem und gleichzeitig Frei.Wild-Fan zu sein schließe sich keineswegs aus.

Das zeigt sich auch immer wieder rund um Auftritte der Gruppe: Als Ende März in dem kleinen Örtchen Pahlen in Schleswig-Holstein eine Initiative gegen Rechts vor der Konzerthalle protestierte, flogen Flaschen auf die knapp 50 Jugendlichen. Andere Frei.Wild-Zuschauer riefen »Zick, zack, Zigeunerpack« und einen Klassiker aus der Neonaziszene: »Eine U-Bahn bauen wir, von Pahlen bis nach Auschwitz «. Das indizierte Original, in dem es »von Jerusalem bis nach Auschwitz« heißt, stammt von der Rechtsrockgruppe Kommando Freisler.

Nach einem Auftritt in Dresden im Dezember 2011 wurde nahe der Konzerthalle eine Frau aus Kenia rassistisch beschimpft, bespuckt und verprügelt. Die Täter sollen zuvor auf dem Konzert gewesen sein.

Gerade haben Frei.Wild ihre nächste Tournee bekannt gegeben. Von November an spielen sie in noch größeren Hallen für über 10.000 Zuschauer. Die Popularität des patriotischen Folklorelärms, gepaart mit dem Böse-Buben-Image, hat durch diese Vorfälle nicht gelitten.