Esch und Ruschmeier widersprechen dieser Darstellung, und Gustav Adolf Schröder stellt fest, dass die Sparkasse nicht hinter Projecta gestanden habe.

Über die Kosten musste sich Esch nicht den Kopf zerbrechen, denn er hatte den Ossendorf-VIII-Fonds-Zeichnern sogenannte Soft Costs oder Planungskosten reichlich in Rechnung gestellt. Kosten, die diese dann wieder von der Steuer absetzten. Auf diese Weise verschwand das Geld, das eventuell in Opernhäuser, Schulen oder öffentliche Schwimmbäder geflossen wäre, in den Taschen von Eschs Millionären.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Im Sommer 2003, als der Oppenheim-Esch-Fonds für Ossendorf aufgelegt war, als die Banken die Kredite vergeben hatten und die Pläne fertig waren, entschied sich RTL gegen Ossendorf. Der Oberbürgermeister von Köln, Fritz Schramma, hatte RTL nach einem Bietermatch mit einer benachbarten Gemeinde die historischen Rheinhallen mit direktem Blick auf den Dom angeboten. Das Gebäude war mehr als doppelt so groß wie der geplante Neubau in Ossendorf, zudem stand es auch noch unter Denkmalschutz. Das bedeutete erheblich höhere Baukosten, die der Fonds überhaupt nicht abdeckte. Und dennoch machte sich Gustav Adolf Schröder stark dafür, den Ossendorf-Fonds auf die Rheinhallen zu übertragen. Für die Projecta stand die Provision für die Mietervermittlung auf dem Spiel, außerdem drohte ihr eine Schadenersatzforderung von 24,1 Millionen Euro. Schröder hatte also ein großes Interesse daran, dass der Esch-Fonds die Rheinhallen baut und er dort seinen Mieter unterbringen konnte.

Josef Esch weist diese Darstellung zurück. Die Verträge zwischen Projecta und dem Esch-Fonds hätten keine Auswirkungen auf das Verhalten von Gustav Adolf Schröder gehabt. Schröder selbst betont heute, im Zentrum seiner Entscheidung hätten die Pläne und Wünsche der Stadt Köln gestanden. Insgesamt seien drei Angebote von der Sparkasse eingeholt worden, über die der Rat der Stadt nach Überprüfung von unabhängigen Wirtschaftsprüfern zugunsten von Esch entschieden hat.

Und so wurden die Rheinhallen kurzerhand an den Fonds angepasst. Sie wurden in der Mitte einfach durchgetrennt. Wie der Zaubertrick mit der zersägten Jungfrau sollte das Gesamtprojekt dadurch aber keinen Schaden nehmen. Auch diesen Trick machte wieder nur ein einziger Mensch möglich: Gustav Adolf Schröder. Wie? In den kommenden Jahren würde Schröders Sparkasse so gut wie alle Mehrkosten, die beim Umbau der Rheinhallen gegenüber Ossendorf anfielen, tragen. Aus heutiger Sicht war das ein absurdes Geschäft. Unterm Strich hat Schröder der Sparkasse bis 2007 mit seinem Rheinhallen-Engagement allein mindestens 248,3 Millionen Euro Verlust beschert. Auf die Summe kommen die Wirtschaftsprüfer von BDO in einem Bericht, der der ZEIT vorliegt.

Es ist ein irres Spiel, in dem sich Gustav Adolf Schröder verfangen hatte. Sein Verhalten scheint das eines Spielers gewesen zu sein, der am Roulette-Tisch sitzt und denkt, beim nächsten Spiel, da gewinne ich alles wieder zurück, ich muss nur den Einsatz genügend erhöhen.

Beim Grundstückskauf setzte Schröder mit seiner Sparkasse 67,1 Millionen und bekam 54 Millionen zurück. Auch für die teuren Mietsonderwünsche von RTL, die über die vom Esch-Fonds für Ossendorf vorgesehenen Konditionen hinausgingen und sich auf etwa 50 Millionen beliefen, kam die Sparkasse auf. Und zwar so: Sie mietete die Rheinhallen einfach zu den Esch-Fonds-Konditionen selbst an und vermietete sie an RTL zu deren Bedingungen weiter. Dafür gab es vom Esch-Fonds einen Mietvermittlungsvertrag für die Projecta über 12,8 Millionen Euro.

Die Sparkasse übernahm weitere Kosten, indem sie für Teile der Immobilie sogar die Funktion des Bauherren übernahm – einer Immobilie, das darf man nicht vergessen, deren Mieter sie gleichzeitig war. Die mit der Gebr. Esch Wohnungsbau abgeschlossenen ergänzenden Bauaufträge füllen über 250 Ordner. 40 Millionen Euro zahlte die Sparkasse dafür. Als RTL nicht zum vereinbarten Termin 2008 einziehen konnte, glich die Sparkasse das mit rund zehn Millionen Euro an RTL aus. Esch stellt hierzu fest, dass eine solche Beteiligung des Mieters in derartigen Fondsimmobilien durchaus üblich sei.

Gegen die Geschäftsführer der Firma Projecta hat die Kölner Staatsanwaltschaft im April 2012 wegen Steuerhinterziehung Anklage erhoben. Und auch gegen Schröder hat die Staatsanwaltschaft Köln nun erneut Untersuchungen eingeleitet.

2007 schied Gustaf Adolf Schröder aus der Sparkasse aus. Im Jahr zuvor hatte es eine Hausdurchsuchung bei ihm gegeben. Die Staatsanwaltschaft untersuchte unter anderem einen privaten Grundstückskauf. Schröder hatte das Grundstück von einer Sparkassen-Tochterfirma erworben und dabei angeblich 200.000 Euro weniger bezahlt als marktüblich. Das Verfahren wurde später gegen Bezahlung einer Geldbuße eingestellt. Schröder verweist auf ein Gutachten, das ihm bestätigt, er habe einen marktüblichen Preis gezahlt. Am 11. Juni 2007 erhielt Schröder von der Sparkasse die Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille. Er war damit für seine "hervorragenden Verdienste um das Sparkassenwesen im Rheinland und damit um das Wohl von Wirtschaft und Bevölkerung" ausgezeichnet worden.

Schröder fiel zunächst weich, er wechselte reibungslos als Finanzvorstand zur mächtigen Kohlestiftung RAG. Sein Parteikollege, der ehemalige Ministerpräsident von NRW, Peer Steinbrück, hatte sich für Schröder eingesetzt, zu einem Zeitpunkt, als die meisten Vorwürfe gegen den einstigen Sparkassenchef längst bekannt waren. Als der öffentliche Druck größer wurde, musste Schröder im Jahr 2009 von seinem Posten bei der Stiftung zurücktreten.