"¿Irme yo con él más? ¡Mal año!" Ein muchacho ruft das in DON QUIJOTE: "Ich noch mit ihm gehen? O weh!" Mit den doppelt gesetzten Frage- und Ausrufezeichen zeigt uns das Spanische: So wichtig kann man es finden, dem Leser schon am Anfang des Satzes das Signal zu geben: "Hebe die Stimme!" Denn in beiden Fällen tun wir das, unwillkürlich auch beim stummen Lesen.

Deutsche Schreiber, zumal der jüngeren Generation, haben sich dem Gegenteil verschrieben: Punkte sonder Zahl, Kommas nach Gusto, die anderen fünf Satzzeichen am besten überhaupt nicht mehr. "So nicht, schrie sie" – als ob wir nicht ein Schreizeichen hätten, geeignet, auch schläfrige Leser aufzuwecken! Ja, man muss lesen, nicht nur die Wörter, auch die Satzzeichen; ein Beispiel: "Dafür sprechen drei Gründe." Den Doppelpunkt zu unterschlagen, den die Grammatik eben hier vorsieht, ist grotesk: Nun folgen sie doch, die drei Gründe! Jeder Leser würde das im Augenwinkel spüren und so durch den Text gezogen werden. Der Punkt gibt das gegenteilige Signal: Ein Gedanke ist offenbar abgeschlossen, senke die Stimme, hole Luft.

Da das Nichtweiterlesen, jedenfalls das Nichtzuendelesen in der Zeitung, auf dem Bildschirm und bei unverlangten Briefen das statistische Normalverhalten ist, sollte jeder Schreiber den Punkt als Problem erkennen: Habe ich schon etwas gesagt, was meinen Leser animieren könnte, mir sein Interesse zu gönnen, auch über diese kleine Zäsur hinweg?

Rousseau hätte seinen GESELLSCHAFTSVERTRAG natürlich so eröffnen können: "Der Mensch ist frei geboren." Aber das wäre eine Allerweltsbehauptung gewesen. Und so setzte er den Punkt erst, nachdem er eine Spannung aufgebaut hatte: "... ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten." Einladung an alle Schreiber, die sich Leser wünschen: Messen Sie an diesem Beispiel, ob Sie schon genug gesagt haben, damit der Leser Ihren Punkt nicht als Einladung zum Aufhören benutzt.

Sieben Satzzeichen haben wir, um die Melodie der mündlichen Rede in den geschriebenen Text zu holen. Wer fünf davon ignoriert, ist entweder schlecht beraten oder an Lesern nicht ernstlich interessiert. Sogar das Semikolon sei empfohlen: "Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen; es ist so leicht, und es führt zu nichts." Der Strichpunkt gibt das Signal: Hole kurz Atem – aber zu Ende ist mein Gedanke nicht! Elias Canetti hat (zugegeben, nicht speziell für diesen Satz) den Nobelpreis bekommen.