Wer einem anderen schriftlich mehr als einen Gedanken übermitteln will (zwei oder drei etwa, und das ehrt ihn ja), der tut gut daran, sie erkennbar zu gliedern: zwei zum Beispiel durch ein "zwar ... aber"; drei, indem er sie auf drei Absätze verteilt – für Briefe, Kommentare, Bewerbungen sind die ohnehin das ideale Maß.

Dies zu unterlassen, aus einer Fülle von Aspekten einen Brei anzurühren kann bis zur völligen Zerstörung des Kommunikationszwecks führen – wie im BROCKHAUS unter "Fremdenfeindlichkeit". Zu deren Erklärung werden "mangelnde politische Bildung in Bezug auf Toleranz und Zusammenleben in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft, die schwindende Bindekraft der herkömmlichen Parteien und politischen Lager und nicht zuletzt mangelnde politische Steuerung oder die mehr oder weniger bewusste Manipulation von F. zur jeweils eigenen Interessendurchsetzung" genannt.

Zu wenig Bildung, Bindekraft und Steuerung und dazu Manipulation: vier Gründe also, ersäuft in einem Sumpf von 42 Wörtern, dem Sechsfachen unseres Aufnahmevermögens (Lektion 15). Hätte die Fülle der Gründe nicht nach einem Doppelpunkt gerufen mit vier Sätzen dahinter – oder nach Spiegelstrichen?

Einem optischen Zwang zur Gliederung unterwarf sich einst Rudolf Walter Leonhardt in der ZEIT: Seine Kommentare waren gegliedert in "Pro", "Contra" und "Conclusio" – über die 1984 aktuelle Frage "Soll es Soldatinnen geben?" zum Beispiel so: Pro: Gleichberechtigung, natürlich. Contra: Aber für diesen Fall ist sie im Grundgesetz eben nicht vorgesehen. Conclusio: Die Forderung nach Soldatinnen überschreite "die schmale Grenze zwischen Gleichberechtigung und Gleichmacherei".

So viel Überschaubarkeit bleibt vorbildlich, auch wenn sie sich nicht in Zwischenüberschriften mitteilt. Ist es nicht eine Wohltat, einen Text zu lesen, dessen Schreiber offensichtlich nachgedacht hat, bevor er ihn in die Schreibmaschine hämmerte? Dass es mit dem Computer dramatisch viel einfacher geworden ist, die Gedanken, die Textblöcke nachträglich neu zu gruppieren, hat neben seinen Vorzügen einen Nachteil: die Versuchung, sich die Mühe des Denkens vor dem Schreiben zu ersparen. Vieles, was durchs Internet geistert, ist auch danach.