Stets unterstellt die linke Jagdgesellschaft dem Chef der Freiheitlichen Partei, er halte sich vornehmlich im bildungsfernen Milieu auf. Dies widerlegte er allerdings dieser Tage eindrucksvoll. Auf die Fangfrage, ob seine Fraktion mit den neuerdings so erfolgreichen Piraten zu vergleichen sei, replizierte er souverän: "Wir sind Freibeuter. Die Piraten sitzen bei uns in der Regierung und rauben die Bürger aus." Der subtile Unterschied zwischen beiden Verbrechertypen ist nur wenigen Linguisten bekannt. Freibeuter sind Zeitgenossen, die mit Erlaubnis ihrer Regierung feindliche Schiffe entern und plündern. Piraten machen im Grunde dasselbe, nur ohne den Sanktus einer Obrigkeit. Diese feine Nuancierung rückt die österreichische Parteienlandschaft in ein völlig neues Licht. Der sozialdemokratische Kanzler ist es also, der den freiheitlichen Korsaren jenen Freibrief ausstellte, der sie zum Kapern der roten Wählerschaft ermächtigt.

Das ist an sich noch kein wirkliches Novum. Aber dass gerade die bekanntlich unter schwarzer Fahne segelnde Finanzministerin Land und Leute ausraubt, verblüfft. Wie darf man sich nun das verwegene Häufchen der blauen Freibeuter nun vorstellen? Mit Messern zwischen den Zähnen wohl kaum. Dadurch wäre ihre Beredtheit deutlich behindert. Auch die obligatorische bottle of rum dürfte zeitgemäßeren Substanzen gewichen sein. Selbst die aus zahlreichen Spielfilmdokumenten bekannte Zahnfehlstellung gehört dank den handwerklichen Fertigkeiten des obersten Jolly Rogers der Vergangenheit an. Einzig die Augenklappe auf der linken Gesichtshälfte dürfte sich zumindest symbolisch noch in Gebrauch befinden. Vielleicht sind es einfach nur ganz gewöhnliche Abenteurer, die nach einem verborgenen Schatz suchen. Und wenn sie ihn dereinst gefunden haben, verwandeln auch sie sich in ganz stinknormale Piraten.