Zusätzlich zu den 250.000 Euro Preisgeld zahlt Jack Wolfskin auch die Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit, um den Preis bekannt zu machen, in welcher Höhe, verrät Firmenvertreter Anderson nicht: »Außerdem stellen wir eine Reihe von Kommunikationsmaßnahmen für den Preis zur Verfügung.« Konkret bedeutet das eine Doppelseite im deutschen Katalog mit einer Auflage von 1,6 Millionen Stück plus Faltblätter in allen Filialen.

Diese Werbewucht hat auch das Bundesamt für Naturschutz beeindruckt. »Wir wollen raus aus der Nische, in der sich der Naturschutz in den letzten 30 Jahren befunden hat«, sagt Thomas Graner, stellvertretender Präsident des Amtes, auch deshalb kooperiere man mit Wolfskin. Eine Ausschreibung, wer den Deutschen Naturschutzpreis unterstützen darf, hat es derweil nicht gegeben, weil es sich nicht um ein »Sponsoringprojekt«, sondern um eine »klassische Kooperation« zwischen Amt und Firma handele. Graner hat damit aber auch kein Problem: »Bei Sponsoringausschreibungen rennt man uns ohnehin nicht die Türen ein, im Gegenteil, es ist schwierig, überhaupt Sponsoringpartner zu finden, die sich für den Naturschutz engagieren möchten.« Immerhin arbeitet das Bundesamt bereits seit einigen Jahren mit dem Touristikkonzern TUI zusammen, der seine Urlauber mit Heften und Videospots über Artenschutz im Urlaubsdomizil aufklärt. Jack Wolfskin zahlt seit 2009 einen Teil der Produktionskosten für das Kinder-Naturschutzmagazin Kinatschu des Bundesamts.

Kritisch wird diese Partnerschaft allerdings nicht nur, wenn die Firma flächendeckend ihr Logo neben den Bundesadler rücken darf. Kritisch wird es für das Bundesamt, wenn wichtige Produkte der Firma selbst umweltschädlich sind .

Bekannt ist Jack Wolfskin vor allem für seine wind- und wasserabweisenden Jacken. Ein Viertel aller Produkte der aktuellen Sommermodekollektion verfügt nach Unternehmensangaben über eine »Wetterschutzausrüstung«. Diese Spezialstoffe werden in der Regel mithilfe umstrittener Chemikalien hergestellt: sogenannte per- und polyfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFC). Über 850 verschiedene PFC sind in der Industrie im Einsatz. Auch die beschichteten Wetterschutzstoffe von Jack Wolfskin werden mit PFC hergestellt, bestätigt ein Sprecher.

»Weltweit messen Wissenschaftler diese Chemikalien in Gewässern bis hin zur Tiefsee, sowie in Staub, in Tieren und leider auch in menschlichem Blut. Wegen ihrer Stabilität werden PFC auch in entlegenen Gegenden wie der Arktis und der Antarktis nachgewiesen. Neueren Studien zufolge kommen PFC auch in der Luft und sogar in Nahrungsmitteln vor«, schrieb das Umweltbundesamt, eine Schwesterbehörde des Bundesamts für Naturschutz, 2009 in einer Untersuchung. Auch mögliche »Risiken für Mensch und Umwelt« waren dort Thema und sorgten für Aufruhr in der Öffentlichkeit. Doch die beliebte Allwetterkleidung baut rund um den Globus immer noch auf die langlebigen Chemikalien: »PFC wird in unserem Sektor soweit möglich vermieden, jedoch noch in geringen Mengen für wenige Produkte, zum Beispiel für hochtechnische, wasserfeste Stoffe und Zelte, verwendet. Wir versuchen auch davon in Zukunft wegzukommen, derzeit mangelt es aber noch an echten Alternativen, die unseren und den Ansprüchen unserer Kunden wirklich genügen würden«, sagt Mark Held, Generalsekretär der Branchenvereinigung European Outdoor Group.

»Mit Wachsbeschichtungen, einer PFC-freien Alternative, erreichen wir einfach nicht das Leistungsniveau«, ergänzt Jack-Wolfskin-Mann Anderson, »wir hoffen aber, so bald wie möglich eine wirksame Alternative zu PFC zu finden.«

Graner sieht in der Zusammenarbeit für den Naturschutzpreis jedenfalls »den Ansporn, Umwelt- und Naturschutz auch bei Jack Wolfskin in Zukunft weiter zu verbessern«. Im kommenden Jahr will sich das Bundesamt mit Jack Wolfskin zusammensetzen und die Zusammenarbeit »bewerten« – der erste Kooperationsvertrag für den Wettbewerb läuft 2013 aus.

Nach Redaktionsschluss der gedruckten Ausgabe entließ Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Umweltminister Norbert Röttgen . Der Text wurde für die Online-Veröffentlichung aktualisiert. (ae)