Die Videos auf Gregers Website sind geistesverwandt mit Breiviks Manifest und Paul Rays Blog-Einträgen:

Aufgabe von Order777 ist es, die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus auf drei Ebenen zu bekämpfen: Operationen, um islamistische Terroristen, ihre Operationen und ihre Aktivitäten offenzulegen; spirituelle Kriegsführung gegen den Islam; Hilfe bei der Gründung von christlichen Bürgermilizen mit dem Ziel der Selbstverteidigung von Communitys, die direkt durch Dschihadisten terrorisiert werden... Order777 hat eine Vision, moderne Ritter und christliche Freiheitskämpfer zu vereinen.

In Chișinău sucht Greger einen Platz in einer Pizzeria, bestellt Kaffee und Wasser und sagt: "Bei mir hat sich auch einer gemeldet, der wissen wollte, wie man eine paramilitärische Organisation gründet. Aber den habe ich gleich zum Teufel gejagt. Alles, was ich mache, ist legal. Ich habe eben das Talent, Leute zusammenzubringen. Da bin ich echt nicht Regionalliga." In seinem weichen Fränkisch fragt er, ob der Besucher nun sehr enttäuscht sei, dass er leider kein Terrortrainingslager in Moldawiens Wäldern zu sehen bekommen habe. Dann lacht er schallend.

Im Februar 2011, fünf Monate bevor Breivik loszog, tauchte im Internet ein aufsehenerregendes Video des Order777 auf. Titel: The Gathering – Die Zusammenkunft.

In dem Video laufen der deutsche Exnazi Nick Greger, der englische Defence-League-Gründer Paul Ray und der nordirische Exterrorist Johnny Adair, früher Brigadier der Ulster Freedom Fighters und Freund von Greger, gemeinsam durch Malta. Sie besuchen Kirchen, beten, diskutieren. Die Szenen der drei Männer in Ehrfurchtshaltung werden mit alten Bildern von Tempelrittern in ähnlichen Posen gegengeschnitten, dazu Filmausschnitte von Ulemeks Brigade. Greger wird als "Commander" vorgestellt.

Er habe 1200 Gleichgesinnte in seinem Verteiler, prahlt ein "Commander"

Im August 2011, nur Wochen nach Breiviks Massenmord, legte Greger mit einem neuen Video nach. Darin stieg Paul Ray zum "Freedom Fighter" auf. Und Greger sagte: "Die Kriege der Zukunft werden nicht zwischen den Rassen, sondern zwischen den Religionen stattfinden: Christen gegen Muslime."

Mag sein, dass Nick Greger kein Nazi mehr ist. Doch er ist immer noch voller Hass. Sein Hass hat jetzt nur ein anderes Ziel.

Ein Fernsehkommentator bezeichnete The Gathering später als Versuch, die europäische Rechte unter einer neu gewichteten Ideologie zu vereinen, in der nicht die "Rassenfrage", sondern Religionskonflikte im Vordergrund stehen. Damit kriegt man die Menschen derzeit leichter als mit Rassismus. Anders Behring Breivik sagte Mitte April vor Gericht: "Man muss mich als Vertreter betrachten. Ich verkaufe eine Ideologie."

Die Analyse seines Videos gefiel Nick Greger so gut, dass er sie in sein nächstes Video schnitt. Er baute auch unkommentiert ein Zitat des arabischen Senders Al-Dschasira ein, in dem sein Order777 als Organisation beschrieben wird, die "den gewaltsamen Kampf gegen Muslime unterstützt". Und er wird sich – dieses Dilemma ist unlösbar – vermutlich auch aus diesem ZEIT- Dossier bedienen, weil Aufmerksamkeit für ihn alles ist.

Einen Satz allerdings wird Greger sicher nicht verwenden. Er sagt ihn ganz am Ende des Gespräches in Chișinău. In einem unbedachten Moment, in dem der selbserklärte Ritter vergessen hat, sein Visier zu schließen: "Eigentlich bin ich stinkkonservativ. Ich will doch nur, dass es wieder ist wie früher, als ich sechs Jahre alt war und als das größte Verbrechen in meinem Dorf war, wenn einer sein Mofa frisiert hat."

Greger, Ray, Breivik: drei Männer Mitte dreißig, die sich in ihre Kinderwelt zurücksehnen, in der alles übersichtlich war und sich nichts veränderte. Drei Männer, die sich auserwählt fühlen, die Uhr zurückzudrehen – und sich dafür neu erfinden, als "Sigurd", "Löwenherz", "Mad Nick".

Anders Behring Breivik hat mit kreuzgeschmückten Fantasie-Uniformen vor der Kamera posiert. Paul Ray glaubt wirklich, dass er ein Tempelritter ist. Nick Greger sagt eine Nuance abgeklärter: "Diese Symbolik ist die Antwort auf die Muslime und ihren Dschihad."

Ihr Spiel mit Identitäten mag lächerlich erscheinen, ihr Vereinfachen aller Komplexitäten auf einen Konflikt zwischen "denen" und "uns" jämmerlich wirken. Doch wie viele dieser durchgeknallten, sechsjährigen Erwachsenen gibt es noch da draußen, die sich im Krieg wähnen?

Der schwedische Terrorexperte Magnus Ranstorp, einer der weltweit führenden Fachleute auf dem Gebiet, beobachtet voller Sorge, dass die Zahl der Neotempler wächst, und rät dringend, "die Szene international zu beobachten". Ansätze dafür bietet zum Beispiel die Lektüre des virtuellen Gästebuchs von Paul Ray oder des Mitgliederverzeichnisses von Gregers Order777. 46 Personen haben sich dort registriert, anonym. 1200 Menschen habe er außerdem in seinem E-Mail-Verteiler, sagt Greger.

In Rays Gästebuch schreibt ein Leser seines Blogs: "Lass es mich ganz offen sagen: Wenn meine Regierung weiterhin darin versagt, mich vor dem radikalen Islam zu beschützen, dann werde ich selbst zum Terroristen und werde so viele von diesen Hurensöhnen abschlachten, wie Gott zulässt." Der Absender dieser Zeilen gehört zu einem zweiten Ring von Personen, die bisher noch unbekannt sind. Auch Greger und Ray kennen nicht alle ihre Anhänger.

Wie lange bleibt ein Ritter ohne Schwert?

Anders Behring Breivik setzt auf Ritter, die noch im Verborgenen kämpfen. Er hat angekündigt, dass er seinem Manifest einen zweiten Teil hinzufügen will. Briefe von Fans hat er bereits bekommen. In verschiedenen Sprachen, aus verschiedenen Ländern. Breivik hat damit begonnen, sie zu beantworten.