Brad Pitt ist ein Mann. In seinen Filmen war er unter anderem Indianer, Zigeuner, Schläger, Nazijäger. In seinem Leben hat er die schönsten Frauen verlassen und die allerschönste behalten. Er hat einen Haufen Kinder. Er baut Häuser. Frauen wie Männer wollen seinen Körper, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Er ist der Mann schlechthin, the sexiest alive noch dazu.

Brad Pitt hat schon für einiges geworben, Uhren zum Beispiel oder Bier oder Jeans. Alles sehr einleuchtend, alles eher männlich konnotiert. Aber jetzt, auf dem Höhepunkt seines Mannseins, wird er für ein Parfüm werben, das für die Eleganz einer Catherine Deneuve steht, den Sex-Appeal einer Marilyn Monroe, den Glamour einer Nicole Kidman: Chanel No 5.

Alle drei Frauen haben das Parfüm beworben, es ist eine Art Essenz der Weiblichkeit. Die trifft jetzt auf Pitt. Die typische Chanel-Werbung war ja seit vielen Jahrzehnten klassisch-konservativ: knallroter Lippenstift. Pumps. Pelzstola auf nackter Schulter. Nagellack. Scheuer Blick in den Spiegel. Von Dreitagebart weit und breit keine Spur.

Aber bevor Brad Pitt ein Superstar wurde, hat er Werbung studiert. Er weiß also, was Werbung vor allem ist: ein Versprechen. Und genau das liegt jetzt in der Luft.

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Denn es werden noch Monate vergehen, bis die Kampagne auf den Markt kommt, Monate, in denen man sich alles mögliche ausmalen kann. Zum Beispiel, dass das chanellige Getue gar nicht mehr so klassisch-konservativ wirken wird, wenn man es mit einem Mann wie Brad Pitt zusammendenkt: knallroter Lippenstift. Pumps. Pelzstola. Nagellack.

Irgendwie kann man sich jedes einzelne dieser Accessoires bei ihm vorstellen, und der Widerspruch wäre natürlich verdammt sexy. Am besten wäre, wenn er einfach nur daliegen würde und sagen: »Im Bett trage ich nichts außer ein paar Tropfen Chanel No 5.« Sehr lässig. Er hätte sozusagen die Deneuve, die Monroe und die Kidman gleichzeitig rumgekriegt. Und natürlich jede andere, die das Parfüm benutzt. Dabeisein ist alles.

Hoffentlich wird also nicht doch wieder eine Frau die Pumps tragen und Pitt an ihrem Perlenhals schnuppern lassen, auf einer Brücke in Paris . Wir warten. Und wünschen uns, dass auch Angelina Jolie bald einen ähnlich geschlechterübergreifenden Werbevertrag verkündet. Hier schon mal ein paar Produktvorschläge: Hochdruckreiniger, Winterreifen, Schlagbohrmaschinen. Anna Kemper