DIE ZEIT: Herr Girsky, Sie sind nicht gerade ein Fan der deutschen Opel -Werke, stimmt’s?

Stephen Girsky: Nein, das ist falsch. Wir sind aus guten Gründen sehr präsent in Deutschland. Wir produzieren hier viele Qualitätsautos, auch unseren neuen Mini, den Adam. Kein anderer Autobauer stellt in Deutschland einen Kleinstwagen her! Das kann man nur, wenn man eine gute Mannschaft hat und hohe Flexibilität. Und wenn man optimistisch ist, so wie wir.

ZEIT: Optimistisch? Viele Opel-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Vergangene Woche hat die Opel-Führung entschieden, dass ihr Bestseller, der Astra, von 2015 an nur noch in England und Polen produziert wird .

Girsky: Ja, aber das war keine Entscheidung gegen Deutschland. Es ist aber einfach effizienter, den Astra an zwei statt an drei Standorten zu bauen. Das ist ein wichtiger Schritt, um so schnell wie möglich wieder nachhaltig profitabel zu werden. In England hätten wir kaum eine Option gehabt, irgendetwas anderes zu machen, für Rüsselsheim dagegen gibt es Alternativen. Unsere Werke in England und Polen fertigen übrigens schon seit vielen Jahren den Astra. Die fünftürige Variante produzieren wir erst seit August 2011 zusätzlich zum Insignia in Rüsselsheim.

ZEIT:Opel leidet unter massiven Überkapazitäten . Sie könnten in Europa 1,6 Millionen Autos im Jahr herstellen...

Girsky: Das ist Ihre Schätzung, wir veröffentlichen dazu keine Zahl.

ZEIT: ...aber Sie können nur etwa eine Million verkaufen. Und da soll man sich keine Sorgen wegen Werksschließungen machen?

Girsky: Es stimmt, dass es Überkapazitäten gibt, und zwar nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa. Wir haben aber eine Beschäftigungsgarantie gegeben, die bis Ende 2014 gilt, und an die halten wir uns auch.

ZEIT: Die Frage ist, was danach geschieht. Werden Sie dann in Bochum noch Autos bauen ?

Girsky: Darüber machen wir uns intensiv Gedanken und reden mit den Arbeitnehmervertretern, wie wir die Situation für Opel angehen können. Klar ist: Wir haben in Europa eine ernste Wirtschaftskrise. Darauf müssen wir reagieren, darauf muss jeder Hersteller reagieren. Der europäische Markt ist um 20 bis 25 Prozent geschrumpft, es gibt einfach hohe Überkapazitäten.

ZEIT: Opel und die Konzernmutter General Motors haben hierzulande schon lange Probleme. Sie sagten kürzlich: "Die Geschichte von GM in Europa, das ist ein Haufen Amerikaner, die versuchen, deutsche Autos an Franzosen zu verkaufen, und sich wundern, warum das nicht funktioniert."

Girsky: Ich wollte damit nur klarmachen, dass wir hier etwas ändern müssen. Wenn man wie GM in Europa in zehn Jahren 14 Milliarden Dollar verliert, kann man nicht weitermachen wie bisher.

ZEIT: Aber wie ändert man das? Indem man englische Autos an Franzosen verkauft?

Girsky: Nein, die Frage ist: Wie konkurriere ich als Unternehmen mit einem Marktanteil von nur sechs Prozent in Europa mit den großen Wettbewerbern? Meine Antwort: Man muss die Größenvorteile stärker nutzen, die der globale GM-Konzern möglich macht. Und man muss sich Partner suchen, so wie PSA Peugeot Citroën, mit denen wir jetzt zusammenarbeiten, um Technologie auszutauschen, um beim Einkauf oder bei der Logistik voneinander zu profitieren.