Kein Arzt behandelt gerne nach dem Schrotschussprinzip. Bei einer akuten Lungenentzündung bleibt Medizinern jedoch oft keine Wahl: Diese Situation kann lebensbedrohlich sein, sodass Ärzte schnell handeln müssen. Statt die Diagnose des Labors abzuwarten, mit welchem Erreger man es genau zu tun hat, verabreichen sie dem Patienten schnell ein Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum – in der Hoffnung, damit auch das Bakterium zu erwischen, das die Entzündung im Lungengewebe verursacht hat.

Ein schwäbisches Start-up-Unternehmen will das ändern. Die Curetis AG bringt eine Art Minilabor auf den Markt, das die Erregerdiagnostik bei Lungenentzündungen dramatisch vereinfachen soll. Nötig sei dafür lediglich eine Probe des Patienten, beispielsweise ausgehustetes Material.

Das Gerät bereitet die Probe zunächst auf, um sie dann selbstständig nach Spuren der wichtigsten Lungenentzündungserreger abzusuchen. Molekulare Sonden fahnden dafür nach bekannten Erbgut-Schnipseln der Bakterien. Mithilfe der sogenannten PCR-Technik vervielfachen maßgeschneiderte Enzyme die verdächtige Erbsubstanz dann, bis sie nachweisbar ist.

Auf insgesamt 16 bakterielle Erreger und einen Pilz testet das System die Patientenproben. Innerhalb von vier Stunden soll das Ergebnis vorliegen – und damit Medizinern ermöglichen, frühzeitig den Auslöser der Infektion zu behandeln. Zusätzlich spuckt der Apparat aus, welche Antibiotika-Resistenzen die Bakterien in ihrem Erbgut tragen. Damit bliebe Ärzten und Patienten die Behandlung mit einem wirkungslos gewordenen Medikament erspart.

Im klinischen Alltag wären solche Informationen bitter notwendig. Die Lungenentzündung oder Pneumonie führt bis heute die Rangliste der tödlichen Infektionskrankheiten in Deutschland an. Zehntausende versterben jedes Jahr daran, weltweit sind es drei bis vier Millionen Menschen. Die Opfer der Pneumonie sind oft jene, deren Körper ohnehin geschwächt ist: Alte, Kranke, Patienten mit HIV oder anderen chronischen Krankheiten.

PCR bislang zu teuer

In großen Krankenhäusern liefern die Labore auf Anfrage zwar schon jetzt eine Erreger-Diagnose mittels PCR-Technik – oft wird diese aber nicht in Anspruch genommen, weil sie zu teuer ist. Stattdessen züchten Mikrobiologen aus der Patientenprobe Bakterienkulturen und testen, wie empfindlich sie auf die gängigen Antibiotika reagieren. Dieses günstige, althergebrachte Verfahren liefert jedoch frühestens nach drei bis vier Tagen Ergebnisse.

Mit ihrem Apparat lasse sich sowohl Geld als auch Zeit sparen, sagt Oliver Schacht, der Vorstandsvorsitzende von Curetis: Die schnelle Diagnose und gezielte Behandlung führten zu einer kürzeren Liegezeit der Patienten. Zudem lasse sich das System von jedem bedienen. Teure Fachkräfte wie bei der herkömmlichen PCR seien nicht erforderlich.