An dieser Stelle stand bisher der Autotest . Wir werden auch weiterhin Autos testen – aber nicht nur. Ich zum Beispiel fahre lieber Fahrrad und erkläre stolz, auf Statussymbole zu verzichten. Manchmal vermisse ich allerdings einen Wagen, etwa wenn ich mit meinen Kindern Urlaub auf dem Reiterhof mache. Der liegt im schönen Zöllmersdorf in der Niederlausitz. Dort reiten die Kinder den ganzen Tag auf Islandponys. Als Vater sitzt man daneben und liest ein Buch. Oder macht ein paar Besorgungen im nahen Städtchen Luckau. Das Auto dafür fehlt mir. Aber ich habe ein Fahrrad mit Auto-Appeal dabei, das Faltrad der BMW-Marke Mini, laut Prospekt "der Mini auf zwei Rädern". Es ist schwarz mit einer neongelben Kette und klein genug, um es auch in einem vollen Zug mitzunehmen. Mit seinem Klappmechanismus kann man es auf Kofferraumgröße falten. Sehr schick, finde ich. Meine Kinder halten es wegen seiner kleinen Laufräder für einen Verwandten ihrer Puky-Räder.

Ich muss feststellen, dass der Reiterhof Vollverpflegung bietet, es gibt also gar keinen Grund, nach Luckau zu radeln. Ich könnte den ganzen Tag dasitzen und den Duft von Pferdemist genießen. Doch ein Konsumbedürfnis lässt sich schnell schaffen: Ich frage die Kinder, ob sie nicht vielleicht saure Apfelringe oder sonst welchen ungesunden Süßkram brauchen. Sekunden später habe ich den Besorgungsauftrag und steige aufs Faltrad. Nach Luckau fährt man knapp drei Kilometer Bundesstraße – gut ausgebaut, ohne Schlaglöcher. Das ist schön, denn das Mini-Faltrad kommt, anders als die meisten Falträder, ganz ohne Federung aus.

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Hier haben sich die Konstrukteure am strammen Fahrgefühl des automobilen Vorbildes orientiert. Dank der großen Übersetzung und einer 8-Gang-Kettenschaltung fährt es sich fast wie ein Tourenrad. Als ich mit einer Tüte sauerer Apfelringe wiederkomme (und mir anhören muss, ich hätte besser saure Pfirsiche bringen sollen), bin ich davon überzeugt, dass dieses Fahrrad eher in die Stadt als auf die Landstraße gehört. So ein Gerät braucht Zuschauer. Kühe und Islandponys kennen keinen Neid, jedenfalls nicht auf Designfahrräder. Besonders beeindruckend ist der Schriftzug MINI auf dem Rahmen. Jeder, der des Fahrrades angesichtig wird, geht selbstverständlich davon aus, das Ding sei Zubehör eines Mini Cooper, der bei mir in der Garage stehe. Das ist die schönste Art, kein Auto zu fahren: trotzdem den Status zu genießen, als besäße man eines.

Technische Daten

Rahmen: Aluminium
Reifengröße: 20 Zoll
Gewicht: 11 kg
Schaltung: 8-Gang-Kettenschaltung
Bremsen: Kinetic V-Brakes
CO2-Emission: 0 g/km
Durchschnittsverbrauch: 0 Liter
Basispreis: 499 Euro

Tillman Prüfer ist Style Director des ZEITmagazins