In Sachsen funktioniert sie so leidlich. Zur Wahrheit gehört: Die präsidiale Langeweile machte in der Vergangenheit immer mehr Menschen zu Nichtwählern. Das ist die große Gefahr des Systems Tillich – zu glauben, das Volk sei zufrieden. Dabei müsste man sich fragen, ob man nicht nur großes Desinteresse gezüchtet hat. Und die Demokratie? Sie leidet. Sie kann eingehen an Sprachlosigkeit.

Zudem erschüttert eine Misere den Freistaat, die das Volk aufbegehren lässt wie lange nicht mehr.

Ein Dienstagnachmittag vor wenigen Wochen, Kabinettspressekonferenz in der Dresdner Staatskanzlei: Es geht um Sachsens Zukunft – die Bildung. Da ist man zwar Pisa-Sieger, doch fehlten im Freistaat fürs nächste Schuljahr zuletzt Hunderte Lehrer. Finanzminister Georg Unland (CDU) und die neue Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) müssen erklären, wieso sie plötzlich die Millionen für Neueinstellungen haben, die Kurths Vorgänger Roland Wöller (CDU) versagt wurden; Wöller trat deshalb unter Protest zurück . Und wie Kurth, eine frühere Schulleiterin, sich an den Zahlen, die via Powerpoint an die Wand geworfen werden, festzuklammern scheint, wie sie gequält lächelt, über ihre Sätze stolpert und Fragen von Journalisten, wo etwa so schnell so viele Lehrer herkommen sollen, ungeschickt, ausweichend, gar nicht oder mit der Floskel "Sie können darauf vertrauen, dass..." beantwortet – worauf sogar der Finanzminister das Gesicht verzieht –, da kann man es nicht mehr übersehen: Verkündigung braucht Souveränität, damit sie einer glaubt.

Neben Brunhild Kurth sitzt Regierungssprecher Cohausz. Nach der Konferenz hat er es eilig. Nur eine Frage: Ist das gute politische Kommunikation? Cohausz zeigt auf seine Uhr: Termine. Aber man könne ja mal telefonieren.

Holger Zastrow seufzt. "Die Kommunikation der Staatsregierung ist durchaus verbesserungswürdig", sagt er. Dabei mache Tillichs Mannschaft eine gute Politik, behauptet Zastrow, nur wisse das außer den Beteiligten kaum einer.

"Wie August der Starke in seiner Reisekutsche"

Das liege auch daran, dass Ministerposten gern mit Quereinsteigern besetzt werden, so wie im Falle von Brunhild Kurth oder auch Georg Unland, einem Maschinenbau-Professor. Auch Cohausz kommt von außen, wenngleich nicht als ausgewiesener Experte für Medien .

In der Regel, sagt Zastrow, seien Außenseiter zwar gut informiert, sie könnten aber politische Ergebnisse oft nicht in prägnante Formeln übersetzen. Das sei aber notwendig – als Politiker und Inhaber einer Werbeagentur weiß Zastrow das genau. Und überhaupt, spricht aus dem Trend zum Quereinsteiger-Kabinett nicht ein Systemmisstrauen? Weil man dem eigenen Personal nicht traut, holt man sich Hilfe – woher auch immer.