Das Dortmunder Turnier Anfang der siebziger Jahre. Boris Spasski und Paul Keres gehen essen. Kaum sitzen sie auf ihren Plätzen, steuert der Wirt auf Spasski zu: "Ich kenne Sie; sind Sie nicht der, der gegen Bobby Fischer verloren hat?!" Spasskis ewiges Trauma – ausgerechnet durch seine schlimmste Niederlage gegen den exzentrischen Amerikaner im "Match des Jahrhunderts" anno 1972, auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs, wurde er weltberühmt. Und, fast noch schlimmer: Für die Öffentlichkeit war er dabei Symbol des Sowjetsystems, das er immer ablehnte.

Als er ein Jahr zuvor, 1971 beim Turnier in Tallinn , mit David Bronstein zusammen in meinem Hotelzimmer war und offen auf das System schimpfte, wies ich ihn auf mögliche Wanzen hin. Und er verächtlich: "Sollen sie es doch hören!"

Kein Wunder, dass er nach seiner Niederlage Repressalien ausgesetzt war, weil er das bis dahin unüberwindbare sowjetische Schachsystem gegen den "kapitalistischen Klassenfeind" nicht gut vertreten hatte, und drei Jahre später nach Paris emigrierte. Nun feierte Boris Spasski seinen 75. Geburtstag. Nach zwei Schlaganfällen bewegt er sich im Rollstuhl fort, stellt indes mit seinem so liebenswerten Humor fest: "Ich bin jetzt im Endspiel, dem schwierigsten Teil der Partie. Gott sei Dank funktioniert die ›Schachseite des Gehirns‹ noch." Vorzüglich funktionierte diese "Schachseite" des jungen Spasski 1957 in Moskau gegen Semjon Furman. Mit welch verblüffendem Opferzug gewann er als Schwarzer ganz schnell?

Lösung aus Nr. 21:

Wie gewann Weiß überraschend den Läufer e6? Nach 1.f5! gab Schwarz schon auf, weil sie nach 1...Lc8 2.f6+! Kxf6 (2...Txf6 3.Txc8) 3.Txc8! Txc8 4.Txh6+ nebst 5.Txb6 Haus und Hof verloren hätte