Es ist eines der Symbolbilder der Finanzkrise : Angela Merkel ( CDU ) und Peer Steinbrück ( SPD ) sprechen im Herbst 2008 mit ernsten Mienen eine Garantie für die deutschen Spareinlagen aus. Die Kanzlerin und ihr Finanzminister fürchteten damals eine Massenpanik – mit ihrer Garantie gelang es ihnen, diese zu verhindern.

Viele hoffen in diesen Tagen auf eine vergleichbare europaweite Aktion. Denn die Krise im Währungsraum hat ihre bislang gefährlichste Phase erreicht: Die Sparer verlieren das Vertrauen in die Währung. Deshalb sollen die Deutschen nach dem Willen ihrer Partner stärker ins Risiko gehen.

In Griechenland sind die Kundeneinlagen seit Ausbruch der Krise um rund ein Drittel zurückgegangen , angeblich wurden an einem einzigen Tag 700 Millionen Euro abgehoben. Auch in Irland und Spanien schrumpften die Geldbestände. Ein großer Teil der Ersparnisse landet auf den Konten deutscher Banken.

Noch sind die Abflüsse für die Banken der Krisenländer verkraftbar, doch das könnte sich schnell ändern. Vor allem in Griechenland sind die Menschen verunsichert . Sie fürchten, dass ihr Geld beim Austritt aus der Euro-Zone in eine neue Währung umgetauscht wird und an Kaufkraft verliert.

Derzeit lagern bei griechischen Banken noch rund 170 Milliarden Euro an Spareinlagen. Das Geld umzuschichten ist leicht, denn Kapital kann innerhalb des Euro-Raums frei bewegt werden. Und geraten die Griechen erst einmal in Panik, könnten auch die Sparer in Spanien , Irland , Portugal und Italien nervös werden. Es drohe eine "allgemeine Kapitalflucht", warnt Gilles Moec, Volkswirt bei der Deutschen Bank.

Ein Sturm auf die Banken ist gefährlich, denn er kann jede Volkswirtschaft in die Knie zwingen. Das Geld, das die Kunden bei ihrer Bank deponieren, kann meist kurzfristig abgezogen werden. Die Bank aber verleiht es langfristig, zum Beispiel wenn sie einen mehrjährigen Kredit an ein Unternehmen vergibt. Nur so kann der Finanzsektor die Ersparnisse der Bürger für die Finanzierung von Investitionen nutzbar machen. Dafür sind Banken aber extrem anfällig für Stimmungsschwankungen. Wollen plötzlich viele Kunden ihr Geld abheben, brechen Institute zusammen, weil sie in der Regel nie alle Sparer auf einmal ausbezahlen können.

Wenn es so käme, könnte dies die Planspiele der EU durcheinanderbringen. Bislang ist vorgesehen, zuerst einmal die Neuwahlen in Griechenland abzuwarten. Kommt dann eine Regierung an die Macht, die die Vereinbarungen aufkündigt, wird ein Sondergipfel einberufen, der die Hilfszahlungen beendet. Dann dürfte die EZB griechische Banken nicht länger mit Euro beliefern. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass die Sparer schon früher die Nerven verlieren und damit eine Entscheidung über die Zukunft Griechenlands erzwingen.

Die Notenbanken jedenfalls bereiten sich schon auf neue Kriseneinsätze vor. In der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Griechenland beschäftigt. Den Vorsitz hat Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen . Den Krisenstab der Bundesbank leitet Vorstandsmitglied Joachim Nagel.

Insider gehen davon aus, dass die Zentralbank im Ernstfall noch einmal die Schleusen öffnet, um die Lage zu stabilisieren und Schlimmeres zu verhindern. Dabei hätte die EZB ihre Geschäfte mit dem griechischen Finanzsektor längst drastisch reduzieren müssen. Ihre Regeln schreiben vor, dass Notenbankkredite nur an solvente Institute vergeben werden dürfen, gegen angemessene Sicherheiten. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kredite auch wieder zurückgezahlt werden können.